Uniqa plant Tageskliniken im Osten

1. Juli 2008, 11:34
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Ärztezentren in eigenen Immobilien – "Islamische" Versicherungen

Cannes/Wien – 20 Jahre nach der Wende ist das Gesundheitswesen in den ehemaligen Ländern Osteuropas noch immer ein Problem. "Es leidet unter chronischer Unterfinanzierung", sagte Uniqa-Chef Konstantin Klien vor österreichischen Journalisten in Cannes.

Die Uniqa, heimischer Marktführer in der privaten Krankenversicherung, will im CEE-Raum nun selbst Anbieter von ambulanten Einheiten (Tageskliniken) werden. Diese Diagnostik- und Therapiezentren werden im Franchise-System eventuell mit den Anbietern medizinischer Geräte entstehen. Außerdem soll mittels Breitband-Technik eine zweite medizinische Meinung aus Österreich abgefragt werden können.

Ausgehend von Budapest und Tirana soll in jeder Hauptstadt ein solches medizinisches Zentrum entstehen, das nicht nur für Private, sondern auch für Arbeitgeber interessant sein könnte. Untergebracht werden sie in Uniqa-eigenen Immobilien. In einem zweiten Schritt könnten in den Stockwerken über den Kliniken Hotel-Trakte entstehen.

Die derzeitigen Gesundheitssysteme im CEE-Raum sind höchst unterschiedlich: Sie reichen von weiterhin staatlichen Systemen über Bereiche mit undefinierbarem Schwarzmarkt ("Kuvertmedizin") für Gesundheitsleistungen – ohne Kontrolle, Garantien und Qualitätsstandards – bis zu Märkten, in denen sich Mischungen aus privaten und staatlichen Systemen stabilisiert haben. Dazwischen existieren Misch- und Sonderformen mit verschiedensten Modellen wie Gesundheitsfonds oder verpflichtender Gesundheitsvorsorge für Firmen.

Rasches Wachstum

Peter Eichler, Chef der Uniqa-Personenversicherung glaubt, dass der private Anteil am Gesundheitswesen in Osteuropa deutlich schneller steigen wird als in Westeuropa. Nach der Öffnung der Märkte boomten zunächst die Kfz- und Haushaltsversicherungen. Im Moment – bei zunehmenden Einkommen – seien Lebensversicherungen gefragt. Und in einer dritten Welle werde sich die private Krankenversicherung etablieren", argumentiert Eichler.

Als zusätzlichen Wachstumstreiber sieht Uniqa das Geschäft mit "islamischen" Versicherungen und betrachtet dies als Nischenpolitik in einem stark wachsenden Markt. "Das ist für uns der neue Osten", so Klien. Erst im März wurde mit Al Buhaira (größter Sachversicherer der Vereinigten Emirate mit Sitz in Dubai) ein Joint Venture gegründet, an dem Uniqa mit 15 Prozent beteiligt ist. In den nächsten Monaten sollen Versicherungsprodukte nach islamischen Recht (Takaful) ausgearbeitet werden. Bisher ist in der Golfregion noch keine europäische Versicherung in diesem Bereich tätig.

Zunächst wird die Uniqa Krankenversicherungsprodukte für die in den Emiraten tätigen Gastarbeiter entwickeln – das sind 80 Prozent aller Arbeitnehmer. Für diese ist der Abschluss einer Krankenversicherung seit 2006 gesetzlich verpflichtend. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.5.2008)

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