Innenminister: Verhaftung "nicht nur eine weitere Operation"

1. Juli 2008, 13:09
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Alfredo Perez Rubalcaba bricht nach Festnahme des mutmaßlichen Anführers der Terrororganisation ETA seine Afrikareise ab

Madrid – Spaniens Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba unterbricht seine Afrikareise. Der PSOE-Politiker ist auf dem Weg nach Madrid, um mit seinen Beamten das weitere Vorgehen gegen die baskische Untergrundorganisation ETA abzusprechen. Die Verhaftung des mutmaßlichen ETA-Anführers Francisco Javier Lopez Pena sei „nicht einfach eine weitere Operation“, sondern höchst bedeutsam. Lopez Pena, der der die Decknamen "Bartolo", "Zulos", "Pierre", "Marcel" und Thierry" benutzte, sei definitiv der „politische und militärische Anführer der Terroristenbande“.

Die französische Polizei und Mitglieder der spanischen Guardia Civil hatten Lopez Pena in der Nacht auf Mittwoch im Bahnhofsviertel von Bordeaux verhaftet. Mit dem 49-Jährigen wurden die weitere mutmaßliche ETA-Angehörigen um Igor Suberbiola, Jon Salaberria und Ainhoa Zaeta Mendiondo gestellt. Die Verhafteten waren mit Pistolen und Sprengstoff bewaffnet, leisteten aber keinen Widerstand. In Polizeikreisen hieß es, bei dem Einsatz sei auch ein Computer beschlagnahmt worden.

Rubalcaba zufolge wurden im Zusammenhang mit der Polizeiaktion auch ein in die Anmietung des Appartements verwickelter Franzose sowie ein Ex-Bürgermeister des Städtchens Andoain festgenommen worden, das als Hochburg der radikalen Separatisten gilt.

Angst vor Vergeltungsaktion der ETA

Nach der Festnahme befürchtet Spanien eine Vergeltungsaktion der baskischen Untergrundorganisation. Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba habe die Sicherheitskräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, berichtete die Presse am Donnerstag. Es sei zu befürchten, dass die ETA mit einem Anschlag auf die Festnahme ihrer mutmaßlichen "Nummer eins", Francisco Javier Lopez Pena, reagiere.

Seit 30 Jahren in der ETA

Lopez Pena gehört der ETA seit fast 30 Jahren an. 1983 war er untergetaucht. Zeitweise soll er Medienberichten zufolge in Kuba Zuflucht gefunden haben.

Er war in den Jahren 2006 und 2007 an zwei Verhandlungsrunden zwischen der ETA und der Regierung des spanischen Ministerpräsidenten Zapatero. Damals trat er erstmals aus dem Schatten des bis dahin wichtigsten Kopfs der ETA, Jose Antonio Urrutikoetxea, ("Josu Ternera", "Jesus, das Kalb").

Anschlag beendete Waffenruhe

Lopez Pena soll im Dezember 2006 den Anschlag auf den Madrider Flughafen, bei dem zwei junge Ecuadorianer getötet wurden, angeordnet haben. Die Bombe im Parkhaus des kurz zuvor eröffneten Terminal 4 beendete den Waffenstillstand, im Mai 2007 folgte die offizielle Aufkündigung der Verhandlungen mit der Regierung Zapatero. Seit etwa zwei Jahren soll er an der Spitze des politischen und militärischen Apparats der Organisation gestanden haben.

Die einzige Frau unter den vier Festgenommenen, Ainhoa Ozaeta, hatte nach spanischen Angaben 2006 die Waffenstillstands-Erklärung der ETA verlesen.

Erst am Montag hatte die ETA einen Bombenanschlag auf einen Yachtclub im Baskenland verübt und dabei schweren Sachschaden angerichtet. Die ETA kämpft seit fast 40 Jahren für ein unabhängiges Baskenland und hat in dieser Zeit fast 850 Menschen getötet. Umfragen zufolge lehnen die meisten Basken einen eigenen Staat ab. (red/APA/dpa)

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    Francisco Javier Lopez Pena bei seiner Verhaftung in Bordeaux

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    Madrid, 30. Dezember 2006: der ETA-Anschlag auf das Parkhaus des Flughafens Barajas beendet die Friedensverhandlungen mit der spanischen Regierung.

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