Neue AKW-Defekte in Spanien

20. Juni 2008, 13:34
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Pannenserie nach Einsparungen beim Personal

Spaniens Atomindustrie findet sich erneut in den Schlagzeilen wieder. Wie jetzt bekannt wurde, kam es im Atomkraftwerk Trillo in der zentralspanischen Provinz Guadalajara zu mehreren schweren Zwischenfällen. Vergangene Woche musste das Kraftwerk auf 39 Prozent seiner Leistung heruntergefahren werden. Eine Pumpe des Reaktorkühlsystems versagte, nachdem die Schaltkreise zur Messung der Temperatur im Kern falsche Ergebnisse geliefert hatten.

Die spanische Aufsichtsbehörde stuft den Vorfall als "leicht" ein, für die Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción handelt es sich hingegen um "schwere Mängel in der Reaktorsicherheit". "Fehler bei der Durchflussmenge im Kühlsystem des Reaktorkerns gehören zu den gefährlichsten Situationen, die in einem AKW eintreten können", heißt es in ihrer Aussendung, durch die der Vorfall überhaupt erst an die Öffentlichkeit gelangte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trillo in den vergangenen Monaten von sich Reden macht. Im März fielen Kontrollstäbe im Kern aus. Außerdem verschwand beim Wechseln der Brennstäbe eine Schraube. Beide Male musste das AKW heruntergefahren werden. Für Ecologistas en Acción kommen die Sicherheitsmängel nicht von ungefähr. Im AKW Trillo wurde im Rahmen eines Sparprogramms die Belegschaft reduziert. Das gleiche geschah in Almaraz in der südspanischen Provinz Cáceres in einem weiteren AKW der gleichen Betreiberfirma. Auch dort kommt es seither verstärkt zu Pannen.

Zwischenfall

Erst vor wenigen Wochen deckte Greenpeace einen weiteren schweren Zwischenfall auf. Im katalanischen AKW Ascó war radioaktiver Staub ausgetreten. Monatelang wurde dieser Zwischenfall verschwiegen.

Die Zwischenfälle kommen der Atomlobby alles andere als gelegen. In den letzten Monaten wird immer öfter der Bau weiterer AKWs gefordert. Die 40 Unternehmen, die im Verband der Großen Energiekonsumenten (AEGE) zusammengeschlossen sind, wollen mit dem Ausbau der Atomenergie billigen Strom für sich sichern. Sie konsumieren 15 Prozent der spanischen Elektrizität und wollen sich sogar am Bau eines AKWs beteiligen. (Reiner Wandler aus Madrid/DER STANDARD-Printausgabe, 20.5.2008)

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