Großstudie findet keinen Zusammenhang zwischen Marihuana-Konsum und Lungenkrebsrisiko

12. Mai 2008, 18:17
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Über 2.000 Menschen befragt - Forscher von den Ergebnissen selbst überrascht

Los Angeles - Nach früheren Erkenntnissen ist das Rauchen von Joints gefährlicher als das Rauchen von Tabakzigaretten, weil erstere eine wesentlich größere Menge an die Lunge schädigenden Stoffen enthalten sollen. Eine neue Studie kommt nun zu einem ganz anderen Schluss - noch dazu die bislang am breitesten angelegte zu diesem Thema, durchgeführt von einer Forschergruppe der Universität von Kalifornien.

Die Studie

"Dies ist die größte Fall-Kontroll-Studie, die jemals zum Thema durchgeführt worden ist. Jeder Teilnehmer musste einen sehr umfangreichen Fragenkatalog zum Thema Marihuana-Konsum ausfüllen", stellt Donald Tashkin, Studienleiter und Pulmonologe an der Universität von Kalifornien, fest. Die Befragten wurden dabei je nach dem Ausmaß ihres Konsums in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Als "heavy consumers" galten beispielsweise Menschen, die mehr als 22.000-mal in ihrem Leben die Droge zu sich genommen haben.

Im Rahmen der vom National Institute of Drug Abuse geförderten Untersuchung wurden 1.200 Menschen aus Los Angeles, die an Lungen-, Hals- oder Kopfkrebs leiden, und 1.040 nicht erkrankte Personen nach dem Konsum von Marihuana in ihrem Leben befragt. Die Analyse der Untersuchungsergebnisse lieferte dabei keinerlei Beweis für eine tatsächliche Verknüpfung beider Faktoren. Den Forschern zufolge gelte dies sogar für solche Fälle, in denen nachweislich ein sehr starker Gebrauch von dem Rauschmittel gemacht worden war.

Surprise, Surprise

Die Wissenschafter geben sich selbst sehr überrascht über die Ergebnisse: "Unsere Hypothese lautete anfangs eigentlich, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Marihuana und Lungenkrebs gibt. Dieser Zusammenhang sollte sich mit einem stärkeren Konsum noch verstärken", erklärt Tashkin. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich bereits mit der Erforschung von Marihuana und hat selbst bereits mehrere Untersuchungen zum Thema veröffentlicht. Diese wurden in der Vergangenheit von offiziellen Stellen bereits des Öfteren dazu herangezogen, um in der Öffentlichkeit auf die Gefahren der Substanz hinzuweisen. Obwohl Tashkin persönlich immer noch an die potenzielle Schädlichkeit von Marihuana glaubt, würde die aktuelle Untersuchung die bisherigen Bedenken widerlegen. "Was wir gefunden haben, ist, dass es überhaupt keinen Zusammenhang gibt", stellt Tashkin überrascht fest. "Wir vermuten sogar einen leicht positiven Effekt", ergänzt der Forscher.

Frühere Studien hatten immer wieder bestätigt, dass Marihuana krebserregende chemische Stoffe beinhaltet. Diese wurden in ihrer schädlichen Wirkung großteils mit denen im Tabak gleichgesetzt. "Als entscheidend könnte sich in diesem Zusammenhang allerdings herausstellen, dass Marihuana auch die Chemikalie THC enthält, die Alterszellen abtöten kann", meint Tashkin. Auf diese Weise sei es unter Umständen möglich, dass derartige Zellen sich gar nicht erst so weit entwickeln können, um Krebs zu beherbergen. Das Rauchen von Tabak-Zigaretten sei in dieser Hinsicht weitaus gefährlicher. Laut dem Forscher müssten Menschen, die täglich zwei oder mehr Päckchen zu sich nehmen, mit einem an die 20-fach größeren Lungenkrebsrisiko rechnen. (pte/red)

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