Anonymer Hinweisgeber brachte Polizei auf die Spur

1. Mai 2008, 17:28
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In den vergangenen 24 Jahren haben im Haus Rund 100 Mieter gewohnt - Polizei will alle befragen - mit Video

Zeillern - Die jüngsten Ermittlungen der Polizei lieferten keinen Hinweis darauf, dass Josef F. Mittäter bei seinen Verbrechen gehabt hat. Die Erkenntnisse würden sich nicht "all zu sehr" von den bereits bekannten unterscheiden, sagte Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ) Polzer. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Zeillern bei Amstetten gab der Kriminalist aber nähere Einzelheiten zu dem Verlies im Keller bekannt.

Weg ins Verlies

Demnach musste man im Keller fünf Räume durchqueren, um in jenes Zimmer zu gelangen, das an das Verlies angrenzt. Um den Eingang freizulegen, muss zusätzlich ein Bücherregal halb abgebaut werden. Die Türe zum Gefängnis war mit einem elektrischen Öffner versehen gewesen, der mittels Fernsteuerung zu öffnen war.

Türe hätte von innen mit Werkzeug geöffnet werden können

F. soll bei den Einvernahmen angegeben haben, dass die Türe im Notfall auch mit Werkzeug von innen zu öffnen gewesen wäre, das bereit gelegen wäre. Das muss aber erst von den Experten des Bundeskriminalamtes abgeklärt werden.

Die schwere Türe dürfte von F. bereits vor der Tat eingebaut worden sein. Es handelt sich Polzer zufolge um eine Brandschutztüre aus Blech, die mit Beton ausgegossen wurde, danach sei ein elektrischen Antrieb angebracht worden. Dem 73-Jährigen sei es durchaus möglich gewesen, das alleine zu erledigen.

Gefriertruhe und Waschmaschine

In dem Gefängnis hätten sich ein Kühlschrank, eine Gefriertruhe und eine Waschmaschine befunden. Die hätte es den Opfern erlaubt "über mehrere Wochen" alleine auszukommen, vorausgesetzt der Strom hätte funktioniert. Die Geräte habe der 73-Jährige "durchaus" alleine durch die schmale Türe in das Verlies bringen können, so Polzer.

Aufgabe der Spurensicherung sei nun, die Ermittlungen fortzuführen, ebenso soll geklärt werden, wie etwa die Kinder im Keller versorgt wurden. Insgesamt stehen dabei rund 35 Beamte im Einsatz.

100 Personen wohnten im Haus

Polzer erläuterte, dass in den vergangenen 24 Jahren im "Haus des Schreckens" rund 100 Personen gewohnt hätten. Diese sollen alle befragt werden. Eventuell habe einer eine Beobachtung gemacht, die damals vielleicht nicht so wichtig erschienen habe, heute jedoch von Relevanz sein könnte. Der Kriminalist meinte, die Ermittlungsschritte würden noch "Monate" in Anspruch nehmen. Die Straftaten des Verdächtigen seien laut Polzer "eindeutig" sexuell motiviert gewesen.

Ergo- und Physiotherapie beginnen in kommenden Tagen

Primarius Berthold Kepplinger von der Landesklinik Amstetten-Mauer berichtete, dass die Opfer in einem eigenen Bereich auf 70 bis 80 Quadratmeter untergebracht sind. Für einen Buben sei bereits eine kleine Geburtstagsfeier arrangiert worden. Zwischen den Kindern die im Keller aufwuchsen und den Kindern die bei der Familie aufwuchsen bestehe ein reger Kommunikationsaustausch. "Die Familie braucht Zeit", so Kepplinger.

Der körperliche Zustand der fünf Kinder, der 42-jährigen Elisabeth F. sowie der 68-jährigen Ehefrau des Tatverdächtigen sei "relativ gut", meinte Kepplinger. In den kommenden Tagen stehe für die Kinder aus dem Gefängnis Ergo- und Physiotherapie an.

Wie der Fall aufgeflogen sei

Polzer erläuterte ferner den Vorgang, wie der Fall aufgeflogen sei. Die 19-jährige Tochter, sie befindet sich in lebensbedrohlichem Zustand, war am 19. April ins Krankenhaus gekommen. Für die Ermittler galt es in der Folge, "herauszufinden, wo die Mutter ist".

Der 73-Jährige hatte zunächst angegeben, dass die 19-Jährige vorm Spitalsaufenthalt plötzlich vor der Wohnung gelegen sei und von der 42-Jährigen dort abgegeben sei. Nachdem die 19-Jährige ins Krankenhaus eingeliefert wurde, seien Erhebungen angestellt worden, ob hier nicht weitere Personen im Spiel sein könnten, und ob die 42-Jährige nicht einen Mithelfer haben könne.

Anonymer Hinweisgeber

Vergangenen Samstag habe es einen vertraulichen Hinweis gegeben, dass die 42-Jährige ins Spital kommen könne. Der Hinweisgeber ist namentlich bekannt, er will aber anonym bleiben.

Als die Frau dann mit dem 73-Jährigen erschien, wurden beide angehalten. Dies erfolgte einerseits wegen vorliegenden Vermisstenanzeige, anderseits wegen des Verdachtes der Kindesweglegung bei der 42-Jährigen. Erst bei der Einvernahme auf einer Polizeistation sei die ganze Tragweite ans Tageslicht gekommen.

Video sorgte für Aufgregung

Für Aufregung sorgte ein Video, das am Mittwoch von der "Bild"-Zeitung auf ihrer Homepage veröffentlicht worden ist. Es zeigt F. fröhlich lachend auf einem privaten Film. Der Mann, der das Video gefilmt hatte, gab an, dass F. alleine in den Urlaub gefahren war und seine Frau auf die Kinder aufpassen muss.

Anruf mit verstellter Stimme

Die Behörden bestätigten am Mittwochabend der APA Berichte von "Kurier" und "Kronen Zeitung", wonach F. laut Einvernahme im Jahr 1994 von eienr Telefonzelle aus zu Hause mit verstellter Stimme angerufen hat und sich dabei als seine Tochter Elisabeth F. ausgab. Dabei soll F. seiner Ehefrau gesagt haben, sie solle nicht böse sein. "Ich kann dir leider nicht sagen, wo ich bin. Bitte kümmert euch um mein Baby. Ich hab's euch gerade vor die Tür gelegt." (APA)

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    Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Prucher, Sicherheitsdirektor für Niederösterreich und Hans-Heinz Lenze, der Amstettner Bezirkshauptmann gaben am Mittwoch eine Pressekonferenz über die neuesten Entwicklungen im Inzestfall

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