Sind die Tage von Steve Ballmer gezählt?

1. Mai 2008, 12:51
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Microsofts charismatischer Chef sitzt nicht mehr so fest im Sattel - Vista und die Trendwende in der Branche bergen Überraschungspotenzial

Die Tagen von Microsoft-Chef Steve Ballmer könnten schon bald gezählt sein, so mutmaßt das US-Magazin Wired. Die Gründe dafür liegen allerdings nicht in der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Softwarekonzerns, sondern vielmehr in den Entwicklungen seit Windows Vista.

Manchmal ein bisschen verrückt

Die Finanzwelt liebt Steve Ballmer - er ist kompetent, aggressive und manchmal einfach durchgeknallt. Nichtsdestotrotz ist Microsoft unter seiner Führung immer noch ungemein profitabel. Doch die Zeichen stehen auf Wandel. Seit acht Jahren steht Ballmer an der Spitze von Microsoft und in dieser Zeit hat sich hat sich die Branche mehr und mehr gewandelt.

Man möchte Gewinner sehen

"Die Anleger und die Wall Street wollen Gewinner sehen, doch was passiert wenn man das gefürchtetste Unternehmen nur mehr ein lahmer Underdog ist?", fragt Wired. "Nichts Gutes. Und normalerweise startet dann die Enteignung der CEOs." Paul Kedrosky, ein Venture Capitalist meint gegenüber Wired: "Das Unternehmen hat einen wichtigen Wechsel in seiner Produktlinie verbockt und wir müssen die Schuld beim CEO suchen." Man muss fair bleiben und sagen, dass die finanziellen Ergebnisse von Microsoft weiterhin keinerlei Anlass für einen Wechsel erkennen lassen oder nötig machen würden, aber der Wandel steht an, wurde teilweise verschlafen und wird nun als Maßstab für weitere Erfolge gewertet.

Unglück

Die Übernahme von Yahoo, deren Sinnhaftigkeit viele ExpertInnen in Frage stellen, das Debakel mit Windows Vista und das Verschlafen einer Webstrategie sind jene Punkte, die an Steve Ballmers und seinem Image kratzen. Ballmer zeichnete für die Entwicklung von Windows Vista verantwortlich. Zwar spülte das Betriebssystem Milliarden Dollar in die Kassen von Microsoft, aber es kam zu spät, war der desaströseste Produktstart in der Unternehmensgeschichte und bleibt extrem unbeliebt.

Die Spitze des Eisberges

Dabei ist Windows Vista nur die Spitze des Eisberges. Auch das 40-Milliarden-Übernahmeangebot an Yahoo war von Anfang an ein Missmanagement, meint Wired. Einerseits ist Microsoft in seinen Aussagen nicht immer eindeutig und schwankt zwischen Zuckerbrot und Peitsche. So dass sich weder AnlegerInnen noch die MitarbeiterInnen auskennen. Aber nicht nur der Umgang von Microsoft sorgt für Kritik, auch und gerade die Gründe für eine Übernahme sind mehr als fraglich. "Das ist bestimmt die schlechteste Idee aller Zeiten", meint Toan Tran von Morningstar. "MSN starb unter dem Druck der Microsoft Bürokratie. Wenn Microsoft nun Yahoo schluckt, dann wird auch dieses in Schmerzen dahinscheiden."

Die Gründe für Ballmer

Es gibt aber auch durchaus nachvollziehbare Gründe warum Steve Ballmer weiterhin bei Microsoft bleiben soll und wird: 1) Es gibt augenscheinlich keinen besseren Ersatz und 2) Es ist definitiv nicht klar, wie Microsoft aus dieser festgefahrenen und verkorksten Situationen wieder herauskommen soll und wer das schaffen soll. "Wäre es jedoch nicht Microsoft, sondern ein anderes Unternehmen, dann würde Ballmer schon längst auf die Strasse gesetzt worden sein - andere CEOs wurden schon für geringere Verbrechen entlassen", so Wired.(red)

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