Semmering: Neue, teurere Tunnel-Trasse

11. Juli 2008, 15:20
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Der Vorstoß von Verkehrsminister Werner Faymann zur Variante "Pfaffensattel" wird teuer: Die Kosten steigen von 1,25 Milliarden auf mindestens 2,6 Milliarden Euro

Der Vorstoß von Verkehrsminister Werner Faymann zur Variante "Pfaffensattel" für den Semmering-Basistunnel wird teuer: Die Kosten steigen von 1,25 Milliarden auf mindestens 2,6 Milliarden Euro.

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Wien – Die beinahe 30-jährige Planung für den Semmering-Basistunnel hat am Wochenende mit der Entscheidung für die "Pfaffensattel-Variante" durch Verkehrsminister Werner Faymann eine neue Wendung bekommen. Die neue Trasse wird aber rund doppelt so teuer wie die zuletzt im Jänner 2006 angedachten Varianten. Ging man damals noch von 1,25 Milliarden Euro aus, sollen nun mindestens 2,6 Mrd. Euro investiert werden. Dabei seien andere Bahnprojekte weit wichtiger, hatten kürzlich Österreichs Güterbeförderer betont.

Die Finanzierung dieses Bauvorhabens hängt völlig in der Luft. Im ÖBB-Rahmenplan 2008–2013 sind nur wenige Millionen Euro an Planungskosten enthalten. Leisten kann sich die Bahn das Jahrhundertbauwerk also nicht. Denn laut Finanzplan wird der Großteil der Kosten des Koralmtunnels (4,1 Mrd. Euro) erst nach 2013 schlagend. Detto der Wiener Hauptbahnhof (889 Mio. Euro). Dann wird die derzeit mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldete Staatsbahn Zuschüsse aus dem Budget brauchen.

Schneller und flacher

Die neue Trasse mit dem Namen "Pfaffensattel" soll die Fahrtzeit von Wien nach Klagenfurt um 30 Minuten verkürzen. Derzeit fährt man im Standard-IC vier Stunden und 14 Minuten; Baubeginn soll 2012 sein.

Die Baukosten steigen zwar, dafür wird künftig billiger gefahren, da eine flachere Streckenführung nur mehr eine Lok pro Gesamtzug nötig macht. Die Kosten für die Erhaltung der alten Bahntrasse über den Berg sollen sich durch den geplanten Bahntunnel erheblich reduzieren. Sie belaufen sich derzeit auf rund 18 Mio. Euro jährlich. Außerdem würde sich der Stromverbrauch für die Züge durch die ebenere Schienenführung um 25 Prozent und der CO2-Ausstoß um 35 Prozent reduzieren, behauptet das Ministerium.

Die Eckpunkte der neuen Trasse:

  • Sie ist als "Flachbahn" projektiert und weist eine Steigung von 8,4 Promille auf (Steigungsverhältnisse der alten Trasse: durchschnittlich 10,3 Promille),
  • die Streckenlänge für den zweirohrigen Bahntunnel beträgt 26,96 Kilometer und soll eine Reisegeschwindigkeit von 200 km/h erlauben. Das soll einen Zeitgewinn von 30 Minuten bringen und
  • die Trassierung umfährt ökologisch sensible Bereiche im Umfeld der Bertaquelle sowie Feuchtlebensräume innerhalb des Natura-2000-Schutzgebietes "Nordöstliche Randalpen: Hohe Wand-Schneeberg-Rax".

    Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll signalisiert nach der gewonnenen Landttagswahl vorsichtige Zustimmung. Erst müsse der neue Streckenplan die Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen, der Sonderstollen müsse ehestmöglich geschlossen werden (täglich verliert der Berg dadurch 13 Mio. Liter Wasser) und die alte Ghega-Bahn müsse erhalten bleiben. SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter sieht nun endlich Licht am Ende des (Semmering-)Tunnels. Gemeinsam mit dem Koralmtunnel entstehe eine für die verkehrspolitische Zukunft Österreichs ganz entscheidende Nord-Süd-Verbindung, die für Wien/Niederösterreich und Steiermark/Kärnten starke Impulse bringe, betonte er am Sonntag in einer Aussendung. Der steirische Landeshauptmann Franz Voves (SP) zeigte sich erfreut, dass man endlich eine Entscheidung getroffen habe, noch dazu mit einer kurzen Bauzeit. Sein Stellvertreter, Hermann Schützenhöfer (VP), meinte, man solle "den Tag nicht vor dem Abend loben", aber die neue Variante sei eine Chance. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.4.2008)

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