Paradoxe Heilkraft

21. April 2008, 12:04
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Der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) erfand als genialer Querkopf eine Medizin, die alle physikalischen Gesetze auf den Kopf stellte

1795 formulierte er das "Ähnlichkeitsgesetzes", das zum Leitsatz der Homöopathie wurde: "Similia similibus curentur." Das bedeutet: Ähnliches soll mit Ähnlichem behandelt werden.

Hahnemann testete alle möglichen Substanzen als potenzielle Heilmittel also Pflanzen, tierische Produkte und Mineralien. Wenn diese Mittel giftig waren, wie beispielsweise Arsen oder die Tollkirsche, so war das für ihn kein Hindernis. Denn in seiner speziellen Zubereitung blieb von der Ausgangssubstanz kaum noch etwas übrig.

Zunächst werden die Mittel nach einem komplizierten Verfahren zu einem Auszug verarbeitet. Das Ergebnis ist die Urtinktur. Sie wird durch stufenweises Verdünnen mit Wasser und Alkohol und durch das Verschütteln (Potenzieren) immer mehr von ihren materiellen Teilen befreit. Wenn ein Teil der Urtinktur mit neun Teilen vermischt und verschüttelt wird, nennt man das Ergebnis D1 - die erste Dezimalpotenz der Urtinktur. Von dieser Verdünnung wird wieder ein Teil mit neun Teilen der Wasser-Alkohol-Mischung verschüttelt und ergibt damit D2. Werden diese Potenzierungsprozesse in 100er-Schritten vorgenommen, so spricht man von C-Potenzen. Die Urtinktur kann jedoch auch mit Milchzucker in den- selben Mischungsverhältnissen in einem Mörser zerrieben und anschließend zu Globuli verarbeitet werden.

Je häufiger verdünnt wird, und je weniger materielle Reste enthalten sind, desto größer ist paradoxerweise die Heilkraft der Substanz. Bei der C30-Stufe ist nach den Gesetzen der Physik kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr in der Verdünnung vorhanden. So wie Hahnemann im Selbstversuch Arzneien ausprobierte, ist die "Arzneimittelprüfung am Gesunden" auch heute noch eine wichtige Säule der Homöopathie. Dabei werden neue Arzneien getestet und anschließend genau dokumentiert, welche Symptome auftreten. (ebe)

  • Winzig, aber hochpotent: Globuli enthalten die Urtinktur
    foto: standard/christian fischer

    Winzig, aber hochpotent: Globuli enthalten die Urtinktur

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