Die Hintertür zur Wachau

    18. April 2008, 17:00
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    Der Seekopf und das Rührsdorfer Rote Kreuz - Traumhafte Aussicht auf eine der schönsten Stromlandschaften Europas

    Von den Gipfeln am nördlichen Rand des Dunkelsteinerwaldes mit ihren steilen, zur Donau abfallenden Hängen ist zweifellos der Seekopf der interessanteste. Von der Warte auf seinem höchsten Punkt genießt man eine traumhafte Aussicht auf eine der schönsten Stromlandschaften Europas und zu den dahinterliegenden Erhebungen des südlichen Waldviertels, ins Tullnerfeld und nach Süden über das Alpenvorland hinweg bis zu den markanten Bergen des Alpenkammes wie Ötscher oder Dürrenstein.

    Der Seekopf wird meist direkt vom Ufer der Donau aus bestiegen, doch auf seiner Rückseite finden sich recht abwechslungsreiche Routen. Wählt man den Weg über Totenberg und Pemexel, genießt man von einigen Stellen einen herrlichen Blick auf Krems und das Stift Göttweig.

    Ein rühriger See

    Der Seekopf verdankt seinen Namen einem nur nach der Schneeschmelze oder nach langen Regenfällen entstehenden kleinen Teich, der in manchen Karten unter der hochtrabenden Bezeichnung "Rührsdorfer See" angeführt ist. In dem Gewässer soll einst eine ganze Kirche verschwunden sein, deren Priester und Mesner in mondlosen Nächten immer noch herumgeistern. In den Raunächten stellt sich manchmal – so man den Sagen glauben darf – sogar die Wilde Jagd ein, deren Getöse bis ins Tal zu hören ist.

    Mit einem Umweg von ein paar Minuten lässt sich auch die Hirschwand erreichen, ein knapp über die Baumwipfel hinausragender Felsenkamm, auf den zwei kurze versicherte Klettersteige führen. Die Besteigung der Wand, die nur ein paar Minuten dauert, verlangt absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

    Das Rührsdorfer Rote Kreuz steht möglicherweise an der Stelle einer alten Richtstätte oder am Ort eines Unglücks, das aber in Vergessenheit geraten ist. Es wurde 1746 errichtet und mehrmals erneuert. Im Jahre 1933 hat man die Reste des Holzkreuzes dann in Stein gefasst. Die Route bereitet kaum Schwierigkeiten, die Hirschwand kann man schließlich auch von unten bewundern.

    Die Route: Von Rossatz wandert man auf der blauen Markierung in das Seetal und wählt bald nach der Helenenhütte – einem Unterstand – den linken Ast einer Weggabel, um auf der roten Markierung den Totenberg zu erreichen. Gehzeit eine Stunde. Ein kurzes Stück zurück und weiter auf der roten Markierung zum Pemexel, zu dem man nach einer halben Stunde gelangt. Links vom Weg auf dem Kamm befinden sich herrliche Aussichtsplätze.

    Später trifft man auf eine gelbe Markierung, die zum Herrenplatel führt. Dort wechselt man auf Blau, quert den obersten Seegraben und kommt zum Rührsdorfer See. Nach kurzem Abstieg geht es links steil zum Seekopf-Gipfel. Gehzeit ab Pemexel 1½ Stunden. Grün markiert ist der Weg zur Hirschwand, im Sattel davor zweigt die weitere Abstiegsroute (blau) nach rechts ab. Zuerst auf einer Forststraße, dann auf einem Pfad geht es zurück nach Rossatz. Gehzeit ab Hirschwand rund 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.4.2008)

    Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz 600 Meter. Kein Stützpunkt auf der Runde. ÖK25V 4323-West (Melk), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt WK 071, Maßstab 1:50.000
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      foto: österreich werbung /g. popp
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