SW Umwelttechnik expandiert in Rumänien

7. Mai 2008, 15:34
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Kärntner errichten neues Werk in Bukarest - Weitere Standorte in Planung

Bukarest - Die an der Wiener Börse notierte Kärntner SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG expandiert in Rumänien kräftig. Vor einigen Wochen wurde eine neue Produktionsstätte bei Bukarest eröffnet, weitere Standorte in dem südosteuropäischen Land sind geplant. Eines der größten Probleme im Land ist laut Vorstandschef Bernd Wolschner die überbordende Bürokratie. Im vergangenen Jahr wurden neun Mio. Euro umgesetzt, heuer sollen es bereits 17 Mio. werden.

Rund um Bukarest schießen Lager- und Produktionshallen aus dem Boden wie die sprichwörtlichen Schwammerln. "Vor einigen Jahren war hier an der Peripherie noch keine einzige Baustelle zu sehen, da haben wir gedacht, wir sind zu früh dran", meinte Wolschner bei einem Lokalaugenschein in der Walachei. Der Boom kam mit dem Beitritt zur Europäischen Union, inzwischen sind Grundstücke in und um die Hauptstadt mit einer vernünftigen Verkehrsanbindung Mangelware. Dementsprechend explodiert sind auch die Preise, der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Bukarest lag 2007 bei 650 Euro, um 50 Prozent höher als im Jahr davor.

Einer der Gründe für diesen Anstieg ist die Landreform, die nach dem Sturz des Ceausescu-Regimes vorgenommen wurde. Die riesigen Flächen der verstaatlichten Agrarbetriebe wurden auf die Bevölkerung aufgeteilt, die Grundstücke quasi in Streifen geschnitten. "Um 20 Hektar Grund zu kaufen, muss man mit Dutzenden Eigentümern einig werden", sagt Wolschner, dies locke natürlich auch Spekulanten an. "Die kaufen dann in der Mitte einen Streifen und treiben den Preis nach oben."

SW Umwelttechnik sicherte sich zwei Flächen, auf einer der beiden wurde im vergangenen Jahr um 12 Mio. Euro ein hochmodernes Betonwerk errichtet. Derzeit sind 80 Mitarbeiter dort beschäftigt, bis Jahresende werden es wohl 150 sein. Neben Kläranlagen und Kanalrohren produziert das Unternehmen Säulen und Konstruktionsteile für den Hallenbau. Der erste Standort wurde im Herbst 2006 in Timisoara in Betrieb genommen. "Wir sehen hier sehr gute Marktchancen, die Abwasserentsorgung ist erst im Aufbau", ist Wolschner optimistisch. Mit Unterstützung der Europäischen Union will das Land in den nächsten Jahren seine Standards möglichst rasch an EU-Niveau heranbringen.

EU-Finanzspritze für Autobahn

Da gibt es allerdings noch viel zu tun. So verfügt das fast 239.000 Quadratkilometer große Land über lediglich rund 250 Kilometer Autobahn. Entsprechend überlastet sind die übrigen Verkehrsverbindungen, wo vom Pferdefuhrwerk bis zum Sattelschlepper alles unterwegs ist. Bis 2015 wolle man 2.100 Autobahnkilometer bauen, kündigte Antonel Tanase, Staatssekretär im Transportministerium, an. Von Bukarest über Sibiu nach Timisoara soll eine Autobahn geführt werden, die von der EU mitfinanziert wird. Die Nord-Süd-Verbindung wird in Kooperation mit dem US-Konzern Bechtel gebaut.

Fast noch ehrgeizigere Ziele verfolgt Umweltminister Attila Korodi. Er bezifferte die Investitionssumme, die man bis 2018 aufbringen müsse, mit 29,3 Mrd. Euro. Und genau von diesen Investitionen will SW Umwelttechnik profitieren. Das Unternehmen, das immer noch mehrheitlich in Familienbesitz ist, hat im Vorjahr insgesamt 96,1 Mio. Euro umgesetzt, 60 Prozent davon in Ungarn. "Der Auftragsstand ist gut", berichtet Wolschner. Dementsprechend will man den Jahresumsatz heuer auch auf 120 Mio. Euro pushen. Das Unternehmen überlegt auch eine Kapitalerhöhung. Wolschner: "Das ist natürlich ein Thema." Eine solche würde allerdings auch bedeuten, dass die Familie die Mehrheit am Unternehmen verliert. Daher werde darüber noch nachgedacht. (APA)

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