Frauenquote in Uni-Gremien kommt

16. April 2008, 14:40
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Unigesetz-Novelle schreibt Frauenanteil von 40 Prozent vor - Keine Quote bei ProfessorInnenbestellung

Wien - 40 Prozent - diesen Frauenanteil im öffentlichen Dienst hat sich die Regierung per Bundesgleichstellungsgesetz verordnet. Künftig soll dies auch für die autonomen Universitäten gelten, kündigten Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) sowie die Wissenschaftssprecher Josef Broukal (SPÖ) und Gertrude Brinek (ÖVP) an.

Gelten soll diese Quote in allen zu nominierenden Gremien, also im Uni-Rat sowie in der Berufungs- und Habilkommission. Bei Gremien, die gewählt werden - also im Senat - soll die 40-Prozent-Quote bei den wahlwerbenden Gruppen erfüllt werden. Wird dagegen verstoßen, dann gelten die Gremien nicht als gesetzeskonform zusammengesetzt. Ausnahmen soll es nur dann geben, wenn der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen bestätigt, dass eine Erfüllung der Quote unmöglich ist. Dies könne zum Beispiel an technischen Universitäten der Fall sein, räumten die Regierungsvertreter ein.

Von den 21 österreichischen Universitäten erreichen diese Quote derzeit nur zwei: Die Kunst-Uni Linz (40 Prozent) und die Akademie der bildenden Künste in Wien (48 Prozent). Zudem hätten sich nur elf Unis in ihren Leistungsvereinbarungen zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil zu erhöhen, meinte Hahn. Man müsse "die Awarenessbildung legistisch unterstützen".

Auf die Berufung von Professoren hat die Regierung keinen Einfluss. Brinek hofft aber, dass durch die Frauenquote in den Berufungskommissionen ein Umdenken einsetzt. Für Broukal ist die Quote ein "Garant dafür, dass die Männernetzwerke an Bedeutung verlieren".

"Beneidetes" Uni-Gesetz

Hahn, Broukal und Brinek nahmen mit ihrer Ankündigung Inhalte der Novelle zum Universitätsgesetz (UG) 2002 vorweg. Was darin außerdem stehen soll, darüber wurde bei einer parlamentarischen Enquete am Freitag ausführlich diskutiert. Grundsätzlich handle es sich beim UG 2002, mit dem die Universitäten in die Autonomie entlassen wurden, um ein gutes Gesetz, um das man international beneidet werde, lautete der Tenor der Diskutanten. Man müsse das UG nun weiterentwickeln, aber mit "Behutsamkeit", betonte der ehemalige Sektionschef im Wissenschaftsministerium Sigurd Höllinger. VP-Wissenschaftssprecherin Brinek pflichtete ihm bei: Sie plädierte für eine "maßvolle Anpassung an das Notwendige".

"Ungeduldig" ist hingegen SPÖ-Wissenschaftssprecher Broukal: Ihm "fehlt jede Antwort der Bundesregierung" auf einen Entschließungsantrag des Parlaments, bei dem eine Erhöhung der tertiären Bildungsausgaben bis 2020 von derzeit 1,2 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorgesehen ist.

Noch mehr Autonomie für die Universitäten forderten die Rektoren der Georg Winckler (Uni Wien) und Christoph Badelt (Wirtschaftsuni Wien), vor allem im Studienrecht. So wünscht sich Badelt "das Recht selbst zu definieren, wer in welches Studium hineinkommt". Der Rektor der Universität für angewandte Kunst, Gerald Bast, wandte sich gegen die von Hahn gewünschten jährlichen Zielvereinbarungen. "Universitäten sind keine Konservenfabriken, die innerhalb eines Monats von der Produktion von Tomatensuppen auf Spinat umstellen können".

Vor dem Parlament demonstrierte während der Enquete die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH): "Transparenz statt Elitenpräsenz" und "Her mit der Uni-Milliarde" forderte sie auf Transparenten. Die Studierendenvertreter erkennen bei den Plänen zur UG-Novelle keinen Fortschritt, die Misere der Universitäten sei ein Produkt der "systematischen Entdemokratisierung und der chronischen Unterfinanzierung". (Andrea Heigl/DER STANDARD-Printausgabe, 12./13. April 2008)

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    Die Einhaltung der Frauenquote in den Uni-Gremien wird per Gesetz vorgeschrieben.

  • Im Parlament diskutierten Politiker und Uni-Verantwortliche – draußen
demonstrierten die Studenten.
    foto: hendrich

    Im Parlament diskutierten Politiker und Uni-Verantwortliche – draußen demonstrierten die Studenten.

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