Demonstration gegen EU-Reformvertrag abgeblasen

10. April 2008, 16:41
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Initiator "Radio Maryja" fürchtet um Leben seiner Führungsspitze: Brief mit geheimnisvoller Substanz

Warschau - Eine groß angekündigte Demonstration gegen die Ratifizierung des EU-Reformvertrags in Warschau ist am Montag abgeblasen worden. Der umstrittene national-katholische Rundfunksender "Radio Maryja" sagte die für den 23. April geplante Kundgebung ab, zu der Zigtausend Anhänger des populären polnischen Radiosenders erwartet wurden. Die offizielle Begründung lautet, man fürchte um das Leben seiner Führungskräfte. Der Radio Maryja-StarJerzy Robert Nowak habe per Post eine geheimnisvolle Substanz zugeschickt bekommen.

Geheimnisvoller Brief

Am Donnerstag soll Radiokommentator Nowak demnach einen anonymen Brief erhalten haben, in dem sich weißes Pulver befand. Die Polizei ermittelt in der Angelegenheit. Die Führungsverantwortlichen des Senders sagten daraufhin eigenen Angaben zufolge die Demo aus Rücksicht auf "die Sicherheit der Teilnehmer" ab.

Nowak gilt als Hauptideologe von Radio Maryja. Er unterrichtet auch an der ultrakonservativen Hochschule für Sozial- und Medienkultur von Radio-Chef Pater Tadeusz Rydzyk und bereist Polen mit fremdenfeindlichen und antisemitischen Vorträgen.

Gegen Reformvertrag von Lissabon

Vize-Parlamentspräsident Stanislaw Niesiolowski glaubt eher, dass die Ursache der Absage des Protests in der schwachen Resonanz auf Rydzyks Protestankündigung zu finden sei, wie er der Tageszeitung "Dziennik" sagte. "Radio Maryja" bezichtigt seinen Kritiker einer Hasskampagne.

Der Radiosender, der in Polen fast zwei Millionen Hörer hat, hat von Anfang an zur Ablehnung des Vertrags von Lissabon aufgerufen. Den Kompromiss, den Präsident Lech Kaczynski (Recht und Gerechtigkeit, PiS) und Ministerpräsident Donald Tusk (Bürgerplattform, PO) unlängst geschlossen haben, um das Ratifizierungsgesetz im Parlament durchzubringen, hält Pater Rydzyk für "Verrat". (APA)

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