Dringt Google Street View in die Privatsphäre ein?

8. April 2008, 09:30
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Der Internetgigant soll für seinen Service Fotos auf dem Privatgrund eines US-amerikanischen Ehepaars gemacht haben

Ein US-amerikanisches Ehepaar hat Klage gegen den Internetgiganten Google eingereicht. Das kalifornische Unternehmen hatte das Haus von Aaron und Christine Boring für den Dienst Google Street View fotografiert und dazu laut den Klägern ohne deren Einverständnis den Privatgrund betreten. Die Kläger verlangen nun eine Entschädigung in Höhe von 25.000 US-Dollar, wie Law.com berichtet.

Aufnahmen vom Pool

Der Anwalt des Ehepaars kritisierte, dass bei Google nicht genügend kontrolliere wohin die Aufnahmefahrzeuge fahren. Das Aufnahmefahrzeug sei den privaten Weg der Borings entlang bis in ihre Privateinfahrt gefahren, um Fotos von dem Haus zu machen. Sogar Aufnahmen von dem Pool der Besitzer seien gemacht worden.

"Google soll Lektion lernen"

Laut Google-Sprecher Larry Yu sei es das erste Mal, dass das Unternehmen für den Street-View-Dienst verklagt werde. Der Konzern wolle zunächst noch die Details überprüfen, bevor eine Stellungnahme abgegeben werde. Das Unternehmen habe jedoch Richtlinien, nur öffentliche Straßen zu fotografieren. Zudem könnten Personen Google kontaktieren, um ein Foto entfernen zu lassen. Da die Kläger dies nicht getan hätten, vermutet der Der Konzern-Sprecher, dass man Google eine Lektion erteilen wolle.

Fotografieren in Öffentlichkeit erlaubt

Juristen gehen davon aus, dass der aktuelle Fall keine Klagewellen gegen Street View nach sich ziehen werde. Google habe wie jeder andere auch das Recht, Fotos von öffentlichen Straßen zu machen. Erst wenn ein Privatgrundstück betreten werde, könne von einer Verletzung der Privatsphäre gesprochen werden.

Möglicher Präzedenzfall

Kevin Bankston, Anwalt der Electronic Frontier Foundation und Google-Kritiker, verweist hingegen auf einen Fall aus dem Jahr 1964, bei dem eine Zeitschrift für die Veröffentlichung eines Fotos ohne Einverständnis der abgebildeten Person zur Verantwortung gezogen wurde. Auf dem Foto war eine Frau zu sehen, der der Wind den Rock über den Kopf gehoben hatte. Obwohl sie sich in der Öffentlichkeit befand, entschied der Richter gegen die Zeitschrift. Beim vorliegenden Fall meint Bankston jedoch, dass die Borings Probleme haben könnten, einen Schaden nachzuweisen. (red)

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    foto: google streetview
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