Verteidigungsminister auf Tschad-Besuch

8. April 2008, 16:22
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Norbert Darabos trifft ab heute die EUFOR-Soldaten im Tschad - Er kann sich eine Verlängerung des Einsatzes vorstellen

Norbert Darabos wird heute zu einem dreitägigen Aufenthalt in den Tschad aufbrechen. Er besucht als erster Verteidigungsminister der Europäischen Union die Soldaten der EUFOR (European Union Force)-Mission, die seit Anfang des Jahres - im Rahmen einer EU-Mission - die Region zwischen dem zentralafrikanischen Staat und dem Grenzland Sudan sichert. Die Militärstreitmacht EUFOR gilt als Ersatz für die geplante, aber noch nicht einsatzbereite EU-Eingreiftruppe.

Neben seinem Besuch bei den in der Hauptstadt N'Djamena sowie im östlichen Grenzgebiet zur sudanesischen Krisenregion Darfur stationierten Soldaten wird Darabos auch mit dem tschadischen Präsidenten Idriss Deby, mit Oppositionspolitikern und mit dem Oberkommandierenden der EUFOR-Truppen, dem irischen General Patrick Nash, zusammentreffen.

Am 30. Jänner waren die ersten Soldaten des österreichischen Bundesheeres in den Tschad verlegt worden; mittlerweile sind etwa 145 Soldaten in der zentralafrikanischen Republik – insgesamt sollen 160 Soldaten verlegt werden. Ihre offizielle Aufgabe ist der Schutz von Flüchtlingen und Mitgliedern von Hilfsorganisationen. Darabos will sich ein Bild von den Tätigkeiten der Soldaten und der Flüchtlingssituation machen.

Gespräche mit Regierung und Opposition

Gespräche des Verteidigungsminister mit Staatspräsident Idriss Deby und tschadischen Regierungs- und Oppositionspolitikern sowie dem Oberkommandierenden der EUFOR-Mission, dem irischen General Patrick Nash, sind geplant, sagte sein Pressesprecher Stefan Hirsch im Gespräch mit derStandard.at. Außerdem sei sein Aufenthalt ein "Zeichen der Anerkennung und der Wertschätzung für unsere Bundesheer-Soldaten."

Die Republik Tschad ist mit 1,28 Millionen Quadratkilometern etwa 15 Mal so groß wie Österreich. Das im Norden an Libyen, im Osten an den Sudan - mit der Bürgerkriegsprovinz Darfur -, im Westen an Niger und Nigeria und im Süden an Kamerun und die Zentralafrikanische Republik grenzende Land gehört halb zur Sahara und halb zur Sahel-Zone. Es leben etwa 9,9 Millionen Menschen aus rund zweihundert verschiedenen Ethnien in dem Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt.

Konflikt in Darfur

Die 1960 unabhängig gewordene frühere französische Kolonie ist tief geprägt durch den Gegensatz zwischen arabisierten muslimischen Nomadenvölkern im Norden und einer schwarzen, teilweise christianisierten sesshaften Bevölkerung im Süden. Etwas mehr als die Hälfte der Einwohner sind Muslime, rund ein Drittel christlich. An der Spitze des Staates steht seit 1990 Idriss Deby, der das Schreckensregime seines Vorgängers Hissene Habre stürzte. Er ließ eine demokratische Verfassung ausarbeiten, etablierte ein Mehrparteiensystem und stellte sich – als erstes Staatsoberhaupt – Wahlen. Zuvor hatte sich das Land zwischen Ende der 60er und Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nahezu ununterbrochen im Bürgerkrieg befunden.

In riesigen Flüchtlingslagern vorwiegend im Osten des Tschad drängen sich fast eine halbe Million Menschen unter extremen Bedingungen. Knapp die Hälfte von ihnen sind vor den blutigen Auseinandersetzungen in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur geflüchtet, rund 180.000 wurden durch die immer wieder aufflammenden Konflikte im Tschad zu Vertriebenen im eigenen Land, der Rest sind zum Großteil Flüchtlinge aus der südlich angrenzenden Zentralafrikanischen Republik. Sie sind sowohl den Kämpfen zwischen tschadischen Regierungstruppen und Rebellen als auch Überfällen marodierender Banden ausgesetzt. Raubüberfälle, Misshandlungen und Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung.

Verlängerung des Einsatzes

Norbert Darabos kann sich vorstellen, dass der Einsatz, dessen Mandat des UNO-Sicherheitsrates derzeit bis 30. Juni läuft, verlängert wird. Jedoch sei für ihn auch "völlig klar", dass eine Fortsetzung der Mission nur dann erfolgen könne, wenn eine erfolgreiche Evaluierung durch die UNO erfolge und wenn es eine gemeinsame Vorgehensweise auf Regierungsebene gebe. (derStandard.at/APA/red)

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    Die offizielle Aufgabe der österreichischen Soldaten im Tschad ist der Schutz von Flüchtlingen und Mitgliedern von Hilfsorganisationen.

  • Darabos bei seinem Besuch im Tschad im Oktober 2007.
    foto: bundesheer

    Darabos bei seinem Besuch im Tschad im Oktober 2007.

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