Verbesserte Therapie bei Dickdarmkrebs

3. April 2008, 13:31
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Neuer monoklonaler Antikörper bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium: Wirkung kann genau vorhergesagt werden

Wien - Mögliche Verbesserung der Therapie von einer Dickdarmkarzinom-Erkrankung: Mit dem vollständig aus humanem Eiweiß bestehenden monoklonalen Antikörper Panitumumab ("Vectibix"/Amgen) steht jetzt in Europa und in Österreich ein neues Arzneimittel zur Verfügung, dass auch dann noch helfen kann, wenn die herkömmliche Chemotherapie versagt. Dies erklärten Experten bei einer Pressekonferenz in Wien.

Risiko Kolonkarzinom

Das Risiko eines Menschen in Österreich, an einem Kolonkarzinom zu erkranken, beträgt sechs Prozent. 30 bis 50 Prozent der Patienten sterben daran. Eine Darmspiegelung alle sieben bis zehn Jahre ab dem Alter von 50 könnte die Sterblichkeit aber um 80 bis 90 Prozent verringern, weil dann noch gutartige Polypen abgetragen oder Karzinome im frühen Stadium entdeckt werden könnten.

Zusätzliche Chance

Neben der Chirurgie stellt die Behandlung mit Zytostatika das zweite Standbein der Therapie dar. Doch bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung versagen auch oft die Chemotherapeutika. Hier bieten seit jüngerer Vergangenheit zusätzlich verabreichte monoklonale Antikörper, welche den Rezeptor der Krebszellen für den Wachstumsfaktor EGF blockieren, eine zusätzliche Chance.

Alle zwei Wochen eine Infusion

Eine Blockade des EGF-Rezeptors bewirkt auch der neuentwickelte und vollständig "humane" monoklonale Antikörper Panitumumab. Im Vergleich zu monoklonalen Antikörpern mit Maus-Eiweiß-Anteilen soll er weniger Abwehrreaktionen hervorrufen. Das Arzneimittel wird alle zwei Wochen per Infusion verabreicht.

VErlängerung der Überlebenszeit

Werner Scheithauer von der Klinischen Abteilung für Onkologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH: "Der monoklonale Antikörper ist als Monotherapie für Patienten zugelassen, bei denen jede Chemotherapie bereits versagt hat. Die Behandlung bringt eine Verlängerung der progressionsfreien Überlebenszeit um 46 Prozent. Bei zehn Prozent der Patienten kommt es zu einer Rückbildung des Tumors um mindestens 50 Prozent."

Gentest zur Wirksamkeit

Mit einem Gentest können zusätzlich jene Kranken herausgefunden werden, bei denen diese Behandlungsstrategie mit hoher Wahrscheinlichkeit wirkt. Das sind jene 50 bis 60 Prozent der Dickdarmkarzinom-Patienten, bei denen die Tumorzellen keine Mutationen im KRAS-Gen aufweisen. Laut den Experten sichert der Test vor der Behandlung den optimalen Einsatz des Medikaments. (APA)

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    foto: standard/swisscancer
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