Pro und contra: Totales Rauchverbot

23. April 2008, 12:43
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Keine halben Sachen von Johanna Ruzicka und Keine Bevormundung, bitte von Conrad Seidl

PRO: Keine halben Sachen - von Johanna Ruzicka

Beim Rauchen geht es den meisten wie der gerne zitierten Schwangeren: Ein bisserl schwanger sein geht nicht. Raucher ist man, oder man ist Nichtraucher. Nur an und wann eine Genusszigarette zu schmauchen, das schaffen nur wenige.

Daraus folgt, dass es mit einem Stückwerk an Geboten nicht gelingen wird, Raucher zu Nichtrauchern umzupolen. Es wird nichts fruchten, wenn Raucherinseln gebaut und Abteile eingerichtet werden, in denen es erlaubt ist, ein paar hastige Züge vom Glimmstängel zu machen. Solche halbherzigen Verbote werden lediglich ein paar kleine Verhaltensänderungen mit sich bringen; der Raucher wird sich seine Nischen suchen.

Nur ein totales Rauchverbot wird die gewünschten gesundheitlichen Effekte bringen. Denn - leider, sagt die Raucherin in mir - ein Entzug geht nur radikal. Strikte Rauchverbote in Lokalen und allen öffentlichen Einrichtungen sind notwendig. Dem Hardcore-Tschicker bleiben dann nämlich nur drei, eigentlich nur zwei mögliche Plätze, um seinem Laster zu frönen: die eigenen vier Wände, die freie Natur - und ein eventuell eingerichtetes Rauchereckerl am Arbeitsplatz.

Das klingt radikal, ist es aber nicht, wie man bei einem Besuch Irlands feststellen kann. Die Pubs sind voll wie eh und je. Denn wenn alle Lokale rauchfreie Zonen sind, gibt es auch keine vielleicht unfaire Konkurrenz untereinander. Und die Rauchergruppen vor den Lokalen halten sich auch in Grenzen. Denn kombiniert wurde dieses Programm mit geschmalzenen Zigarettenpreisen von rund sieben Euro pro Packerl.

Ein flächendeckendes Rauchverbot zusammen mit hohen Tschickpreisen nimmt dem Raucher die Möglichkeit, irgendwo noch seinem Laster zu frönen. Simpel, aber wirksam.

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CONTRA: Keine Bevormundung, bitte - von Conrad Seidl

Dass Rauchen der Gesundheit schadet, wird niemand bestreiten - selbst den Rauchern wird irgendwann der entsprechende auf die Packung gedruckte Hinweis aufgefallen sein. Dass Rauchen dennoch ein Genuss sein kann, hat es mit vielen anderen sogenannten Lastern gemeinsam: Auch die körperliche Liebe ist ein Genuss, der zu psychischen Abhängigkeiten, unakzeptablem Fehlverhalten zum Schaden Dritter und nicht zuletzt auch zu tödlichen Infektionen führen kann.

Würde man deshalb Sex verbieten? Nein, zumindest nicht derzeit und nicht in unserer Gesellschaft, die sich liberal nennt.

Obwohl: Gar so lange ist es nicht her, dass heute allgemein geachtete sexuelle Praktiken von Gesetzes wegen verfolgt wurden. Gruppensex und homosexuelle Beziehungen sind für die Behörden heute kein Thema mehr, Legislative und Bürokratie haben sich andere Bereiche gesucht, in denen sie korrektes, lasterfreies Verhalten durchsetzen wollen. An den Rauchern wird derzeit vorexerziert, wie das geht: Längst wird jeder Arzt geächtet, der die entspannende Wirkung einer Zigarre lobt, geschweige denn, dass eine einzige Studie zu diesem Thema öffentlich gefördert würde. Rauchen wird in einem Maß geächtet und aus dem öffentlichen Raum verbannt, das einem als Nichtraucher Angst machen muss. Man will den Rauchern den Lebensraum nehmen - auch um den Preis, dass etwa Gastronomiebetriebe zusperren müssen. In Schottland sperrten übrigens im ersten Jahr des totalen Rauchverbots immerhin 350 Pubs zu.

Was den Verbotsanhängern besser gefällt, als sie jetzt sagen: Man kann den Leuten so das genussvolle Essen und Trinken verleiden - üppiges Essen und Alkoholgenuss sind ohnehin die nächsten Angriffsziele der weltverbessernden Bürokraten. (DER STANDARD-Printausgabe, 1.4.2008)

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