Digital Schwarz sehen

28. Mai 2008, 13:59
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Seit Abschaltung des Analogfernsehens fielen in digitalen TV-Haushalten fünf Filme auf 3sat aus

Aus dem Kummerkasten der TV-Tagebuch-Redaktion: Am Dienstagabend freute sich Leser A. auf Atom Egoyans Armenien-Drama "Ararat". 3sat zeigte den Film als Erstausstrahlung. Selbst das sonst sehr zurückhaltende "Lexikon des internationalen Films" lobt für seine Begriffe fast euphorisch: Ergoyans Film sei "eine kunstvolle Reflexion über Schwierigkeiten sowie die Notwendigkeit des Erinnerns, wobei der ebenso intelligente wie entschlossene Film mitunter bittere Wahrheiten zumutet." Ein Fernsehereignis.

Nicht für den verärgerten Anrufer, der den STANDARD um Aufklärung bat: Als Besitzer einer DVB-T-Box blieb sein Bildschirm Dienstagabend schwarz.

Dahinter stecke ein "unlösbares Problem", bedauert der ORF: Der Kooperationssender 3sat erwirbt die Ausstrahlungsrechte für Deutschland, aber nicht für seit Oktober terrestrisch zu empfangende Programme in Österreich. Seit Abschaltung des Analogfernsehens fielen in digitalen TV-Haushalten so fünf Filme aus.

Im Hintergrund tobt ein heimlicher Machtkampf zwischen Filmhändlern und 3sat: Die Rechteinhaber wollen den Verkaufspreis für zusätzliche terrestrische Ausstrahlungsrechte in die Höhe treiben.

Man lasse sich von den Filmhändlern nicht erpressen, sagt 3sat-Koordinator Daniel Fiedler auf Anfrage des STANDARD. Die gegenwärtige Situation beziehe sich nur auf bestehende Lizenzverträge. In Zukunft erwerbe man automatisch terrestrische Rechte mit. Bis dahin heißt es für Gebühren zahlende Zuschauer: Bitte Schwarz sehen! (prie/DER STANDARD-Printausgabe, 28.3.2008)

  • Armenien-Drama "Ararat" auf 3sat: Für Besitzer einer DVB-T-Box blieb der Bildschirm Dienstagabend schwarz.

    Armenien-Drama "Ararat" auf 3sat: Für Besitzer einer DVB-T-Box blieb der Bildschirm Dienstagabend schwarz.

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