Steuerreform - Experte: Geringe Mehreinnahmen für Gesundheitssystem

29. März 2008, 18:05
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Bruckner: Volumen der Vermögenszuwachssteuer "an der unteren Grenze" - Erwartet weder Probleme bei Abwicklung noch Steuerflucht

Wien - Der Steuerexperte Karl Bruckner erwartet bei der Einführung einer Vermögenszuwachssteuer keine grundsätzlichen Probleme, wenn sie auf Wertpapiere und Immobilien beschränkt wird. Das System wäre exekutierbar, wenn die Banken mitspielen, betont Bruckner im Gespräch mit der APA. Auch mit Steuerflucht ins Ausland sei "nicht unbedingt" zu rechnen. Mit besonders hohen Mehreinnahmen für das Gesundheitssystem wäre seiner Meinung nach aber nicht zu rechnen, weil die meisten Anleger ohnehin in schon jetzt steuerpflichtigen Fonds anlegen.

"Die Leute, die in Einzeltitel investieren, werden immer weniger, weil man zu viel Know How dafür braucht", betont Bruckner. Die Mehreinnahmen würden sich daher wohl eher "an der unteren Grenze" der bisher genannten 200 bis 800 Mio. Euro bewegen und seien noch dazu stark von den Kursschwankungen an den Börsen abhängig. "Für heuer erwarte ich mir überhaupt nichts, weil es durch die Kursverluste kaum Leute geben wird, die Gewinne machen", sagt der Chef der Steuerberatungskanzlei BDO Auxilia Treuhand.

Nur Gewinne aus Kapitalerträgen besteuern

Voraussetzung für ein funktionierendes System wäre aus seiner Sicht, dass nur Gewinne aus Kapitalanlagen (Aktien, Wertpapiere) und Immobilien besteuert werden, nicht aber schwer zu erfassende Güter wie Oldtimer, Schmuck und Kunstwerke. Die Immobilien hätten die Finanzämter wegen der Grunderwerbssteuer ohnehin "im Auge", sagt Bruckner. "Bei Kapitalanlagen müssten die Banken mitspielen", verweist der Steuerberater auf das Vorbild der schon jetzt fälligen Kapitalertragssteuer. Zwar hätten die Banken einen ersten Anlauf zu einer weitergehenden Spekulationssteuer 2000 wegen zu hoher Verwaltungskosten und Haftungsrisiken gekippt, mittlerweile seien die Systeme aber besser und die Banken müssten das abwickeln können.

Mit Steuerflucht aus Österreich rechnet Bruckner nicht und verweist darauf, dass österreichische Anleger bei Einführung einer Vermögenszuwachssteuer ihre Aktiendepots im Ausland der Steuer melden müssten. "Es wäre Steuerhinterziehung, wenn er sein Depot nicht deklariert", betont der Steuerberater. Eine ähnliche Regelung gebe es jetzt schon bei der Kapitalertragssteuer: Österreicher müssen ihre im Ausland erwirtschafteten Zinserträge den heimischen Steuerbehörden melden. Im EU-Ausland haben die dortigen Banken sogar eine Meldepflicht ins Heimatland. (APA)

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