Cyber-Angriffe auf Pro-Tibet-Gruppen

4. April 2008, 11:15
6 Postings

Vermutlich chinesische Hacker greifen Organisationen gezielt an, um deren Arbeit zu behindern und an Informationen zu kommen

Menschenrechtsorganisationen und Pro-Tibet-Gruppen melden vermehrte Cyber-Attacken auf ihre Mitglieder. Mailinglisten würden dazu benutzt, um E-Mail-Viren zu verbreiten und damit die Arbeit der Gruppen zu behindern. Die Angriffe seien ungewohnt zielgerichtet und kämen vermutlich aus China, berichtet die Washington Post.

Computer von Mitgliedern infiziert

An die Mitglieder der Mailing-Liste des "Tibet Support Network" sei beispielsweise eine Nachricht mit einem infizierten Word-Dokument ausgeschickt worden. Die Nachricht sei ursprünglich von einem Mitglied der Organisation als Warnung vor erhöhtem E-Mail-Aufkommen verschickt worden. Nur einen Tag später, wurde die E-Mail mit dem exakt gleichen Wortlaut und der infizierten Datei nochmals abgesendet. Das lasse darauf schließen, dass zumindest der Computer eines Mitgliedes der Mailing-List bereits infiziert sei, so Alison Reynolds. die Direktorin der Organisation. Auch dieOrganisation "Human Rights in China" meldete einen Anstieg von Viren-Attacken per E-Mail. War die Gruppe im Jahr 2006 das Ziel zweier solcher Attacken, wuchs deren Zahl in den ersten drei Monaten 2008 auf über 100 an.

Versuchen tibetanische Bewegung zu zerstören

Laut Reynolds seien derartig gezielte Attacken, die sich lediglich an die Mitglieder bestimmter Organisationen werden, äußerst schwierig durchzuführen. Die jetzigen Attacken würden ein hohes Maß an Organisation und Involvierung aufweisen, was für einzelne Hacker eher untypisch sei. "Sie versuchen richtiggehend die tibetanische Bewegung zu zerstören und wer immer dafür verantwortlich ist, macht das auf Vollzeit-Basis", so Reynolds gegenüber der Washington Post.

Spuren nach China zurückverfolgt

Die Attacken ließen sich laut einem Sicherheitsberater zu Computern in China zurückverfolgen. Chinesische Hacker sollen davor bereits eine Organisation, die sich für Menschenrechte in Darfur einsetzt, ins Visier genommen haben. China habe ökonomisches und strategisches Interesse an den afrikanischen Öl-Ressourcen, so die Washington Post.

Hacker suchen gezielt nach Informationen

Die aktuell verbreiteten Viren seien jedoch so neu und zielgerichtet, dass sie von herkömmlichen Virenscannern unentdeckt blieben, so ein Experte. Die Hacker gingen zudem sehr intelligent vor und würden gezielt nach ihnen nützlichen Informationen suchen. So sei ein Virus, der an die Gruppierung "Students for a Free Tibet" ging, so programmiert worden, dass er Computer nach PGP-Schlüssel durchsuche, um kodierte Nachrichten lesen zu können. Da die meisten Mitglieder der Gruppe jedoch auf Apple- und Open-Source-Computer arbeiteten, hätten die Viren keinen größeren Schaden anrichten können. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.