Neues Leben für umstrittenes Jobcenter

1. Juli 2008, 11:59
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626 Leute sind derzeit im "Karriere- und Entwicklungs-Center" geparkt, der Abbau von 3.000 Mitarbeitern wird dementiert

Wien - Die Österreichische Post AG belebt ihr umstrittenes Jobcenter neu. Die Zahl der Mitarbeiter, die in der offiziell Karriere- und Entwicklungs-Center (KEC) genannten Einrichtung geparkt sind, ist von durchschnittlich 531 Vollzeitkräften 2007 im ersten Quartal auf 626 gestiegen, bestätigte Post-Sprecher Michael Homola am Dienstag. Gerüchte im Unternehmen, wonach die Zahl bis Jahresende auf 800 steigen soll, wollte die Post nicht kommentieren. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter im Jobcenter liegt derzeit bei 48 Jahren.

Jobabbau dementiert

Einen Bericht des "WirtschaftsBlatt", wonach das Unternehmen 3.000 Beamte abbauen wolle, hat die Post dagegen am Dienstag klar dementiert. Die Berechnungen im Bericht seien seien "willkürlich und fachlich und sachlich falsch". Durch natürliche Fluktuation, also die nicht Nachbesetzung freiwerdender Jobs, würden pro Jahr in Österreich rund 400 Mitarbeiter abgebaut, sagte der Sprecher. Auch von einer Wiederbelebung des Karriere- und Entwicklungs-Center könne man nicht sprechen. Zuwächse wie dort in den vergangenen Jahren werde es in Zukunft nicht geben. "Die große Zeit der Restrukturierungen ist vorbei", so Homola.

Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz lehnte die Versetzung neuer Mitarbeitern ins Karriere- und Entwicklungs-Center am Dienstag deutlich ab. Fritz spricht von "Geldvernichtung". Leute, die länger als drei Monate ohne Beschäftigung abgestellt würden, würden endgültig demotiviert, obwohl in der Post genug Arbeit vorhanden sei, was die weitere Beschäftigung von Leihkräften beweise. Der Gewerkschaftschef wirft dem Management "Panikmache vor der Liberalisierung" vor. "Es wäre endlich an der Zeit, dass der Vorstand neue Umsatzmöglichkeiten auslotet", sagte er.

Rückstellungen gewachsen

In Investoren-Kreisen kursiert seit der Bilanzvorlage dagegen das Gerücht, dass mindestens 150 Mitarbeiter, die offiziell im Jobcenter untergebracht sind, die Einrichtung nie von innen gesehen hätten und zu 100 Prozent ausgelastet seien. Das Argument: Die Post nütze offenbar das KEC, um finanzielle Vorsorgen zu treffen und den Druck auf die Lockerung des Beamtendienstrechts zu erhöhen. Die Post weist das zurück.

Die Rückstellungen für Mitarbeiter im KEC ist im Vorjahr laut Bilanz um 70 Mio. Euro auf 331 Mio. Euro gewachsen. Ohne Abzug der aufgelösten Rückstellungen für Mitarbeiter, die wieder in den operativen Betrieb gewechselt oder in Pension gegangen sind, hat die Post 2007 neue Rückstellungen für Unterauslastung in Höhe von 160 Mio. Euro gebildet. Sämtliche Rückstellungen seien vom Bilanzprüfer KPMG geprüft worden, betonte Investor Relations-Chef Harald Hagenauer. Die Post sei nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IFRS zu den Rückstellungen sogar verpflichtet. Die jährlichen Lohnkosten lägen bei jeweils rund 35.000 Euro, das offizielle Pensionsantrittsalter für Beamte bei 60 bis 65 Jahren (auch wenn die Betroffen laut Unternehmenskreisen im Durchschnitt mit rund 57 Jahren in Pension gehen).

Post als "Sparverein"

Einige Investoren dagegen betrachten die Post mittlerweile als "Sparverein". Das belegt ihrer Ansicht auch die Eigenkapitalausstattung einiger Tochterunternehmen und die Tatsache, dass das Unternehmen von 153,4 Mio. Euro "Free Cash Flow" rund 80 Mio. in die Aufstockung des Barbestands fließen habe lassen, der laut Bilanz mittlerweile bei komfortablen 309 Mio. Euro liegt.

Ein Blick in den Beteiligungsspiegel zeigt etwa, dass eine Reihe von Beteiligungsgesellschaften 2007 bei geringen Umsätzen auf 45 bis 85 Mio. Euro Eigenkapitalausstattung auswies. Die Paket Service GmbH, die früher die dpd-Beteiligung hielt, die mittlerweile aufgelöst wurde, kommt immer noch auf 36 Mio. Eigenkapital. In der Post-IR spricht man von nicht aussagekräftigen Detailzahlen. Hintergrund seien Schachtelbeteiligungen, mit denen die Post die Zukäufe optimiert habe.

Allerdings räumt auch die Post noch einen erheblichen Verschuldungsspielraum ein. Bei der Bilanz hat das Unternehmen die Nettoverschuldung mit 173 Mio. Euro und damit dem 0,6fachen des operativen Gewinns (EBITDA) beziffert. "Mittelfristiges Ziel" sei ein Verhältnis zwischen Nettoverschuldung und EBITDA von bis zu 2,0x, ohne dadurch das Kreditrating "Investment Grade" zu beeinträchtigen. (APA)

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