Der Salut kommt aus der Schneekanone

29. März 2008, 17:00
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Der Hauser Kaibling feiert "100 Jahre Krummholzhütte" und damit ein paar Flocken Wintersportgeschichte

Die Festgäste? Österreichs Skielite. Das feierliche Rahmenprogramm? Die Alpinen Skimeisterschaften des ÖSV ab kommenden Dienstag, bei denen selbst nach dem Ende der Weltcupsaison noch einmal in allen Disziplinen ermittelt wird, wer in Österreich wirklich Ski fahren kann. Aber was gibt es eigentlich zu feiern?

Tausende Wintersportler lernen die Krummholzhütte am Hauser Kaibling alljährlich als normale Skihütte kennen. Eine Ausstellung im Skimuseum von Haus im Ennstal anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens soll belegen, dass sie bei der kulturgeschichtlichen Historie des frühen Alpinismus etwas mitzureden hat.

Aber beginnen wir im Ort selbst, der sich sein Flair trotz Massentourismus bewahrt hat. Im Gegensatz zu benachbarten Orten wie Schladming hat Haus, dessen Name vom mittelhochdeutschen "Hus" herrührt, seine Architektur in salzburgerisch-bayerischer Holzbauweise erhalten können. Das historische Zentrum wurde restauriert und steht heute unter Denkmalschutz.

Im ehemaligen Zehentspeicher des Erzbistums, dem "Troadkasten" am Schlossplatz, ist heute das Wintersport- und Skimuseum untergebracht. Die Entwicklung des Alpinismus, des Wintersports ist hier anhand von historischen Exponaten und Fotos dargestellt: ausgehend von der rein notwendigen, landwirtschaftlich begründeten Bezwingung des Berges, über die Anfänge des Wintersports in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit Rodeln, Schlitten und einfachsten Skiern mit Einstocktechnik, bis hin zur heutigen Ausprägung des Freizeit- und Leistungssports.

Früh Schule gemacht

Dabei hat der Ort Haus mit der Professionalisierung des Wintersports tatsächlich früher begonnen als andere: Die heute selbstverständlichen Schulskikurse wurden hier bereits erstmals 1912 abgehalten. Der Krummholzhütte selbst, die eigentlich unter dem Namen "Kaiser-Franz-Josef-Jubiläums-Schutzhaus" 1908 am Gipfel des Hauser Kaibling erbaut wurde, kommt dabei die Rolle der Wiege des Sommer- und Wintertourismus im Oberen Ennstal zu. Nicht nur ihre Entwicklung wird als Synonym des historischen Alpinismus der Dachstein-Tauernregion nachvollziehbar erzählt, sondern auch die Kulturgeschichte des Hüttenwesens in ihrer Gesamtheit.

Wenn man sich nun zur Krummholzhütte selbst begeben möchte, empfiehlt sich der direkte Weg vom Fuße des Berges mit der Tauern-Gondelbahn. Nur wenige Schritte vom familiär geführten "Panorama-Hotel" Gürtl, das diese Bezeichnung aufgrund der exponierten Lage mit einem fantastischen Panoramablick über das gesamte Tal, den Ort und das Dachstein-Tauern-Massiv verdient, ist die Talstation der schmalen Gondelbahn entfernt. Knappe zehn Minuten dauert die Fahrt, mit einem Zwischenstopp auf ungefähr halber Höhe. 1000 Höhenmeter weiter oben steigt man, beinahe am Gipfel des Hauser Kaiblings, aus und gelangt direkt zur Hütte.

Von dort kann man einen gigantischen Blick in alle Himmelsrichtungen genießen: Bei Schönwetter auf der Terrasse, bei schlechtem Wetter oder kalten Temperaturen dringt man einfach rechterhand in die vierte der verwinkelten Holzstuben vor, um vor dem wärmenden Kachelofen durch die Fenster das Panorama ebenso gut zu erhaschen.

Zurzeit ist die Hütte noch ein idealer Ausgangspunkt für Skifahrer zu einem erstklassig erschlossenen Berg mit 14 unterschiedlichen Abfahrten verschiedener Schwierigkeitsgrade für alle Altersstufen und insgesamt 37 Kilometern Länge: Fis-Abfahrten, Weltcupabfahrten, und natürlich auch die nach dem berühmten Sohn des Ortes, Helmut Höflehner, benannten Pisten. Elf Lifte auf dem Berg bringen die Skifahrer zu den sportliche Herausforderungen, mit 14 Gastronomiebetrieben hat man hier auch genügend Raum für Pausen. Zudem ist der Hauser Kaibling auch Einstieg in die Schladminger Vier-Berge-Skischaukel, die mit Planai, Hochwurzen und Reiteralm verwachsen ist.

Und auf der im Verbund befindlichen Reiteralm wird man voraussichtlich heuer sogar noch bis zum 13. April fahren können. In Haus hingegen endet unmittelbar nach den Alpinen Skimeisterschaften des ÖSV von 25. März bis zum 1. April die Skisaison 2007/2008 – genauer gesagt mit dem 6. April. Ein durch nunmehr mit mehr als hundert Beschneiungsanlagen gestütztes spätes Saisonende bedeutet hier aber dennoch gleichzeitig den nächsten Saisonstart: Für den Rest des Jahres ist der Hauser Kaibling Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Berg- und Wandertouren; und die Krummholzhütte freilich auch in diesem Fall einer der ältesten Stützpunkte für die Alpinisten in der Region. (Gregor Auenhammer/DER STANDARD/Printausgabe/22./23./24.3.2008)

Das Hauser Skimuseum ist jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr und Mittwoch von 16.30 bis 18.30 Uhr, bzw. nach Vereinbarung auch zu Privatführungen, geöffnet.

Die Sonderausstellung zum Jubiläum der Krummholzhütte ist das gesamte Jahr 2008 über zu besichtigen.

Infos:
haus.at
hauser-kaibling.at
krummholzhuette.at
hotel-guertl.at

  • Mit 123 Beschneiungs-anlagen will man eventuellen Frühlingseinbrüchen am Hauser Kaibling bis zum April.
    foto: hauser kaibling

    Mit 123 Beschneiungs-anlagen will man eventuellen Frühlingseinbrüchen am Hauser Kaibling bis zum April.

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