Imago Dei: Lilo und die Themenverfehlung

17. März 2008, 18:29
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Ein "bunter Abend" beim Festival in der Minoritenkirche Krems

Krems - Ungefähr so, aber in jedem Fall so lapidar, heißt es bei Brecht: Mach nur einen Plan, mach noch einen zweiten, und beide funktionieren sie nicht. Schön. Manchmal gilt dies alles auch für Veranstalter. Wenn sie etwa einen Abend thematisch sehr weit fassen und sich eine Menge quirliger Gäste einladen, die beim Auslegen des unklaren Themas individualistisch sehr eigene Pläne verfolgen - dann kann es passieren, dass ein bunter Abend entsteht, der sich entlang der Themenverfehlung bewegt.

Es muss dies jedoch keinesfalls den Glanz eines Abends beeinträchtigen. Dieser hier - bei Imago Dei in der Minoritenkirche in Krems - soll von "Remixes und Coverversions aus Klassik, Pop und Rock rund um die Themen Liebe, Leidenschaft & Tod" handeln. Er hat zudem ein Motto ("Ich bin dein Herr.") und eine Moderatorin.

Lilo Wanders kommt also auf die Bühne, stellt einmal fest, dass sie mit Monotheismus so gar nichts auf der Perücke hat und beginnt mit Paraphrasen über ein Thema, das ihr liegt - Lilo Wanders also, jene Kunstfigur, die einst eine Erotiktalkshow hatte. Natürlich geht es da auch um Liebe und Begehren, die sie säuberlich trennt. Aber ein bisschen sehr selbstbezogen war das in Summe schon. Zudem: Eine gründliche Vorbereitung bezüglich der anzusagenden Künstler wäre auch nicht übel gewesen. Es waren ja auch nicht so wenige.

Sängerin Anna Hauf & Die Wachauer Pestbläser gaben eine sympathische Auslegung von Bachs Ach lieber Herr, behüt uns heut!, die Komponist und Saxofonist Renald Deppe zwischen schummriger Modernität und braver Adaption anlegte. Willi Resetarits pendelte unpeinlich zwischen Dezenz (The Man I Love), Hitzigkeit (It's A Man's World mit Lilo als simultaner Textübersetzerin) und bluesiger Mundharmonika.

Die Wurzeln

Zudem: Didi Bruckmayer legte Schumann und Beatles-Miniaturen ausufernd theatralisch an, Bernhard Landauer führte Tom Waits, die Dietrich und die Stones etwas bemüht in countertenorale Bereiche. Und Paul Gulda sang - sich eines Teils seiner Wurzeln besinnend - mit emphatischer Qualität jüdische Lieder und von Vater Friedrich ihm Gewidmetes. Lilo war beeindruckt. Sie sang auch selbst. Aber einmal zu viel. Was dem grotesken Abend, den man allerdings nicht missen möchte, irgendwie den Rest gab. Einem Abend, der als Ganzes ziemlich wirr, aber im Detail reizvoll blieb. Immerhin. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD/Printausgabe, 18.03.2008)

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