Neues Buch von Ex-Uno-Anklägerin: "Jagd"

12. März 2008, 11:05
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"Alles wäre schon gelöst", soll Kostunica zu Del Ponte bereits im März des Vorjahres gesagt haben

Belgrad - "Alles wäre schon gelöst", soll der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica bei einem seiner letzten Treffen mit der Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien (ICTY), Carla del Ponte, im Mai des Vorjahres gesagt haben. Er wurde noch deutlicher: Die flüchtigen Haager Angeklagten hätte man bereits ein Jahr zuvor festnehmen können, hätte die Chefanklägerin Anfang Mai 2006 nicht die Unterbrechung der Gespräche der Europäischen Union mit Belgrad über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) wegen der mangelnden Zusammenarbeit Belgrads mit dem ICTY erwirkt.

Dies steht laut den heutigen Belgrader Medienberichten in einem neuen Buch Del Pontes, das unter dem Titel "Caccia" (Jagd) Ende März in Italien erscheinen soll. Del Ponte war Ende des Vorjahres als Chefanklägerin abgetreten. Belgrad hatte Ende der vorigen Woche an UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon appelliert, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern. Dadurch könnten die Bemühungen zur Festnahme der vier noch immer gesuchten Angeklagten des Kriegsverbrechertribunals gefährdet werden.

Ihr Gespräch mit Kostunica nach der Festnahme des bosnisch-serbischen Offiziers Zdravko Tolimir am 31. Mai 2007 bezeichnete Del Ponte in ihrem Buch, in dessen Manuskript die Nachrichtenagentur Beta Einsicht bekam, als "keineswegs angenehm". Demnach stellt Kostunica damals fest, dass die Festnahme des ehemaligen Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, für Belgrad schwieriger sein würde, als dies für Kroatien die Festnahme ihres Generals Ante Gotovina gewesen sei. "Wir kennen Mladic nicht, haben ihn auch nie gesehen. Er stammt aus Bosnien und man weiß nicht, wo er sich befindet", soll der Regierungschef erklärt haben. Allerdings soll Del Ponte gleichzeitig Zusicherungen erhalten haben, dass es in Belgrad den politischen Willen gebe, Mladic festzunehmen.

Der einstige Militärchef der bosnischen Serben, der des Völkermordes wegen des Massakers in der Bosniaken-Enklave Srebrenica mit rund 8.000 Toten angeklagt wurde, lebte bis 2002 in der serbischen Hauptstadt. Del Ponte behauptete als Chefanklägerin bis zuletzt, dass er sich dort verstecke. Flüchtig sind heute noch vier Angeklagte. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden vorgezogenen Parlamentswahl in Serbien ist kaum anzunehmen, dass sie in Kürze festgenommen werden könnten. Nach der Wahl wird es von der neuen Regierung abhängen, wie intensiv die Festnahme-Bemühungen betrieben werden. Sollten die Ultra-Nationalisten des UNO-Angeklagten Vojislav Seselj an die Macht kommen, ist mit einer Festnahme nicht zu rechnen.

Die Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Serbien wurden später wieder aufgenommen. Das Abkommen ist fertig ausgehandelt. Vor dem Hintergrund der Kosovo-Frage kam es bisher aber nicht zur Unterzeichnung. (APA)

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