Vibrator gegen verstopfte Nasen

11. März 2008, 20:33
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Dies ist nur eine der Entwicklungen, welche die erste Phase des "Best of Biotech"-Wettbewerbs erfolgreich bestanden haben - Die Ideen reichen vom tragbaren Labor bis zu neuartigen Impfstoffen

Mit einem Nasenvibrator hat es das Team aus Ungarn geschafft: Es ist vergangene Woche als einer der Sieger aus dem "Best of Biotech"-Wettbewerb hervorgegangen. Das Gerät in der Größe eines Lippenstifts vom Siegerteam rund um Csaba Pankucsi aus Debrecen kann bei Allergien oder Schnupfen verstopfte Nasen wieder befreien. Nach nur 20-sekündiger Anwendung des Vibrators soll die geplagte Nase für bis zu zwei Stunden frei atmen können, weil durch das Vibrieren ein Mechanismus ausgelöst wird, der das nasale Stickoxid ansteigen lässt. Pankucsi litt vergangenen Sommer an starkem Heuschnupfen. Da hat er mit einem Kollegen den Nasenvibrator erfunden.

Das die Nase befreiende Gerät ist nur eines von sechs Preisträgern der ersten Phase des Wettbewerbs "Best of Biotech - get your business started!", einer Initiative des Austria Wirtschaftsservice und von Life Science Austria Vienna. Der Bewerb findet heuer zum vierten Mal statt. Zur Einreichung aufgerufen waren Studierende und Wissenschafter sowie alle, die mittels Forschungsergebnissen eine innovative Geschäftsidee entwickelt haben. Teams aus Österreich und den Nachbarländern konnten bis Anfang Februar ihre Idee in Form eines Geschäftsberichts einreichen. 42 Teilnehmer kamen dem Aufruf nach, sechs von ihnen sind nun in der nächsten Wettbewerbsrunde.

Nierenleiden erkennen

Unter ihnen ist auch das österreichische Team rund um Gert Mayer von der Medizin-Uni Innsbruck. Das kreative Quartett hat sich mit der Diagnostik von Nierenkrankheiten auseinandergesetzt und ein System entwickelt, das über das Risiko von akutem Nierenversagen informieren und den Fortschritt von chronischen Erkrankungen anzeigen soll. Auf der Basis bestimmter Indikatoren (Biomarker) sollen Tests entwickelt werden, die nicht nur Nierenleiden früher und besser erkennbar machen, sondern auch das biologische Alter von Transplantationsorganen vorhersagen können.

"Die Idee entstand aus einem klinischen Notstand", erklärte Gert Mayer dem Standard. Derzeit gebe es zwar mehrere Methoden, durch die man Nierenleiden erkennen könne, Für eine genaue Diagnose sei aber meist ein nicht immer ungefährlicher Eingriff (z. B. eine Biopsie) nötig. "Wir suchen daher nach Markern, die in der Niere spezifisch bei bestimmten Erkrankungen von klar definierten Teilen des Gewebes gebildet werden, aber im Blut nachweisbar sind", erklärt Mayer.

Neuartige Antibiotika

Ebenso aus Österreich ist eine prämierte Geschäftsidee Karl Lohners von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Graz. Er hat sich die Entwicklung neuartiger Antibiotika zum Ziel gesetzt, die schnell wirken und gleichzeitig die Entstehung von Resistenzen und die Auslösung eines septischen Schocks verhindern sollen.

Neuartigen Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten widmet sich das Team Opsovac aus Innsbruck. Die Impfstoffe sollen durch eine Kombination spezieller Antikörper mit der eigenen Immunabwehr wirken. Als Erstes sollen dadurch Impfstoffe gegen HIV und Hepatitis C entstehen. Auch gegen Krebs soll die Technologie später zum Einsatz kommen.

Zeit und Geld soll das Sensor-Design zur biomolekularen Analytik in der biochemischen Forschung sparen, das Markus Gruber von MicroQCM aus Aachen entwickelt hat. Es ermöglicht, auf die bei herkömmlichen Verfahren unumgängliche Markierung der Analysesubstanz zu verzichten. Das bannt die Gefahr, die Probensubstanz durch die Markierung zu verändern oder zu zerstören.

Mehr zum Anfassen ist die Erfindung des slowakischen Teams Biorealis: Ein "tragbares Labor", mit dem die Inhaltsstoffe von Wein, Nahrungsmitteln oder Blut analysiert werden können.

Die sechs Gewinnerteams gehen nun in die zweite Phase des Wettbewerbs, für die bis 30. Mai auch Neueinreichungen möglich sind. Nun geht es darum, professionelle Businesspläne zu erstellen. Dafür bekommen die Teilnehmer in Workshops Tipps von Profis. Ende Juni präsentieren sie ihre Pläne vor einer Jury. Am 3. Juli 2008 erfolgt die Preisverleihung. Den beiden Besten winken Geldpreise in der Höhe von 10.000 und 15.000 Euro. (Gudrun Springer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.3.2008)

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