Post bringt mehr Dividende, mehr Chefs, weniger Pakete

2. April 2008, 16:24
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Carl-Gerold Mende ab Juni fünftes Vorstandsmitglied

Wien – Nach dem Verlust ihrer beiden Großkunden Quelle und Otto/Universalversand ist Post-General Anton Wais entschlossen, wenigstens die Aktionäre bei der Stange zu halten. Die Post versucht dies mit einer deutlich höheren Dividende. Zusätzlich zur Basisdividende in Höhe von 1,40 (1,0) Euro je Aktie wird der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Sonderdividende von 1,0 Euro je Aktie vorgeschlagen (Auszahlung im September).

Gemessen am aktuellen Kurs entspricht das einer Dividendenrendite von 9,2 Prozent. Den Aktionären gefiel‘s, die Post-Aktie legte um mehr als 5,6 Prozent auf 26,7 Euro zu.

Die Bilanzzahlen selbst zeugen von den mächtigen Reserven des mehrheitlich im Staatsbesitz stehenden Noch-Briefmonopolisten: Der Konzernumsatz stieg – vor allem aufgrund des Zukaufs des deutschen Expressdiensts Trans-o-flex mit 500 Millionen Euro Umsatz – um 33 Prozent auf 2,316 Milliarden Euro und der operative Gewinn (Ebit) um 32 Prozent auf 162,8 Mio. Euro. Unterm Strich blieben 122,6 Mio. Euro Gewinn (plus 23 Prozent, siehe Grafik).

Der Ausblick auf das erste um ihre zwei größten Paketquellen erleichterte Jahr 2008 fällt verhalten aus: Der Umsatz soll im Idealfall, also gleichbleibendem Briefvolumen, um bis zu drei Prozent steigen, das Ebit geringfügig sinken; detto die Ebit-Marge, sie soll unter Vorjahr (sieben Prozent) liegen. Da das Auslandsgeschäft kontinuierlich ausgebaut werden soll – am Dienstag hat der von der ÖIAG dominierte Aufsichtsrat Carl-Gerold Mende zum fünften, für Paket & Logistik und Internationales zuständigen Vorstandsmitglied bestellt – soll das Ebit ab 2009 wieder steigen. Mende kennt das Geschäft wie seine Westentasche, er war beim Expresslogistiker GLS in Amsterdam (bis 2004) und danach International Director der Royal Mail in London.

Einen Vorgeschmack auf den Großkundenverlust gab 2007 die Division Paket & Logistik: Mit Trans-o-flex explodierte der Umsatz von 227,1 auf 738,6 Mio. Euro, das Bereichs-Ebit brach aber von 20,8 auf 12,8 Mio. Euro ein. Weil überzählige Beamte nicht gekündigt werden können, sorgt die Post vor: Finanzchef Rudolf Jettmar erhöhte die Rückstellungen für "Unterauslastung" von 271 auf 331 Mio. Euro. Die Cash-Cow Brief hatte um 5,3 Prozent mehr Umsatz (1,38 Mrd. Euro), ihr Ebit stieg aber kaum auf 274,3 Mio. Euro. Die Postämter-Umsätze gingen um 1,2 Prozent auf 192,1 Mio. Euro zurück – wegen Bawag-Krise und rückläufigen Handy-Kartenverkäufen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3.2008)

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    Carl-Gerold Mende

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