Kalbsbratwurst gegen Käsekrainer

18. März 2008, 17:55
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Der beste Würstelstand in Zürich vs. die beste Würstelbude in Wien: Ein derStandard.at- (Längen-)Vergleich mit EM-Gesprächen

"Taifun", "Bum-bum" oder "Seewolf" legen hier auf. Das Who-is-Who der internationalen Bratmeister-Szene grillt die beste Wurst der Schweiz. Genau gesagt die St. Galler Kalbsbratwurst, die es nur am "Sternen Grill" in Zürich gibt. Zwischen 1.000 und 1.500 davon werden pro Tag am Bellevue mit Blick auf den See gegessen. Die Bratwurst ist nicht nur die beste (2001 wurde sie vom renommierten Magazin "Wallpaper" ausgezeichnet), sondern mit 20 Zentimeter auch die größte des Landes.

"Ich bin zwar kein Fußballfan, aber die Schweizer werden sicher besser als die Österreicher abschneiden", meint Rosta Ille von der Geschäftsleitung des Sternen Grills im Gespräch mit derStandard.at. Österreichischen Fußballer kennt er keinen. Durch die Euro erhofft sich Ille ein Riesen-Geschäft mit tausenden statt tausend verkauften Würsten. Von Carlsberg oder sonstigen UEFA-Sponsoren, die manchem österreichischen Würstelbuden-Besitzer Sorgen bereiten, will der gebürtige Tscheche nichts wissen: "Das ist unser Boden, das ist unser Lokal, da machen wir, was wir wollen." Biermäßig gäbe es schließlich langjährige Verträge mit Heineken.

Angst vor randalierenden Fußball-Fans hat er nicht. Vor kurzem hätten auch Serben in Zürich wegen der Kosovo-Unabhängigkeit demonstriert, da sei schließlich auch nichts passiert. Er habe gelesen, dass in Österreich durch die Medien eine gewisse Panikmache herbeigeschrieben werde. "Das verstehe ich nicht. Die Euro soll doch ein Fest werden", meint Ille und beißt genüsslich in sein Bürli.

Wien

Szenenwechsel: Wien, Hoher Markt. Der wohl beste Würstelstand der Stadt. Hier isst der Wiener seine Eitrige (Käsekrainer) mit Buckel (Brot-Endstück) und schwemmt beides mit einem Sechzehner-Blech (Ottakringer-Bier) runter. Süß oder scharf ist die entscheidende Frage, die Bedienung erfolgt "Jennifer" (="rasch", abgeleitet von Popstar Jennifer Rush).

50 bis 60 Packerl am Tag, also 1.000 bis 1.200 Stück Würstel werden hier täglich verzehrt, rechnet Würstelverkäufer Ghauri Muhammad Yusaf vor. Käsekrainer geht am besten. Auf die Frage, ob er sich zu EM-Zeiten noch mehr Geschäft erwartet, antwortet der Wiener Würstl-Experte mit einem optimistischen "Na freilich". Trotzdem gesteht er, ein bisschen Angst vor randalierenden Fußballfans zu haben. "Bei so vielen Leuten kann man ja nie wissen", fügt er hinzu. Sein Chef Saisal Ahmad widerspricht: Betrunkene habe man hier jeden Tag, da machen Fußballfans keinen Unterschied.

Wie sein Schweizer Kollege ist auch Muhammad Yusaf kein Fußballfan. Die österreichische Nationalmannschaft habe im Vergleich zum Schweizer Team keine allzugroßen Chancen, meint er. "Flink" findet er die Schweizer Ballesterer, kennen tut er aber namentlich keinen. Dass sich hier die Fußball-Begeisterung in Grenzen hält, merkt man auch bei der EM-Planung. "Die Wurst ist hier schließlich immer gut, und solange es schmeckt, sollte das auch reichen", meint der Verkäufer. Sein Chef präzisiert mit welcher Wurstigkeit die Wiener an die EM herangehen: Man setzt auf business as usual, einen Masterplan gibt es hier nicht.

Ergebnis

Verliert Österreich im Würstelstand-Match um die EM-Euphorie, so geht der Preis der längsten Wurst eindeutig an Wien: Stolze 1,5 Meter misst die Burenwurst am Hohen Markt. Ungeschnitten, versteht sich, aber immerhin. (rasch, geib, pb, derStandard.at, 18.3.2007)

  • Auch dem Chef schmeckt's: Die St. Galler Bratwurst mit einem Gold-Bürli (Brötchen) und einer Stange (Seidl Bier) zum Nachspülen.
    foto: derstandard.at/schüller

    Auch dem Chef schmeckt's: Die St. Galler Bratwurst mit einem Gold-Bürli (Brötchen) und einer Stange (Seidl Bier) zum Nachspülen.

  • Bis zu 1.500 Bratwürste werden am Sternen Grill in Zürich täglich verspeist.
    foto: sternengrill

    Bis zu 1.500 Bratwürste werden am Sternen Grill in Zürich täglich verspeist.

  • Würstelverkäufer Ghauri Muhammad Yusaf in Wien: Süß oder scharf?
    foto: derstandard.at/madeleine geibel

    Würstelverkäufer Ghauri Muhammad Yusaf in Wien: Süß oder scharf?

  • Käsekrainer in Wartestellung: Die Fußball-EM ist am Hohen Markt ziemlich wurst.
    foto: derstandard.at/lewkowicz

    Käsekrainer in Wartestellung: Die Fußball-EM ist am Hohen Markt ziemlich wurst.

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