In jeder Krise verbergen sich auch Chancen

11. April 2008, 21:35
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Die Turbulenzen an den Börsen werden laut Experten anhalten, für Anleger gibt es Chancen, jetzt günstig in den Markt einzusteigen

Die Turbulenzen an den Börsen werden nach Ansicht von Experten noch anhalten. Sie erwarten erst für die zweite Jahreshälfte eine Entspannung. Für Anleger gibt es aber Chancen, jetzt günstig in den Markt einzusteigen.

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Wien - "Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: ,That's it'", sagt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Bank. Aber noch immer könne man keine genaue Aussage darüber treffen, wann die Turbulenzen an den Börsen, die durch die US-Subprime-Krise ausgelöst wurden, vorbei sein werden. Da der Preis für die Subprime-Papiere sich laufend ändere, "kann es zu einem weiteren Abschreibungsbedarf kommen". Mit anderen Worten: Die Unsicherheit an den Börsen bleibt weiterhin hoch, die Schwankungsbreite ebenfalls.

Für Anleger heißt das, dass sie weiter durchhalten müssen. Dem Wiener Leitindex ATX geht es laut Mostböck trotz bisweiliger Verluste "gut". Die fundamentalen Daten seien intakt, die Auftragsbücher der Unternehmen voll. Dennoch verhindere das derzeitige Umfeld einen Ausbruch des Leitindex nach oben.

Der ATX hat derzeit ein KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 9,3 und ist damit "günstig im historischen Vergleich". Wer diese Phase für einen Einstieg nützen möchte, dem empfiehlt Mostböck, in defensive Werte zu investieren, die eine hohe Dividende zahlen. Als Beispiele nennt der Chefanalyst die Aktien der Post und des Flughafens Wien. Auch zyklische Werte, die konservativ gemanagt würden, etwa Mayr-Melnhof, Andritz oder Intercell, seien derzeit interessant. Weiters rät Mostböck, in Aktien jener Unternehmen zu investieren, die von der bevorstehenden Erholung des ATX profitieren werden - etwa die Papiere der OMV, der Wiener Städtischen oder auch der Voestalpine.

Aufklärungsbedarf hoch

Dass die Anleger, vor allem das Retailpublikum, derzeit stark verunsichert und nervös sind, bekommt auch der Finanzdienstleistungsberater AWD zu spüren. "Unsere Berater müssen derzeit viel Aufklärungsarbeit leisten", sagt AWD-Österreich-Chef Wolfgang Prasser im Gespräch mit dem Standard. Die Emotionen vieler Privatanleger seien eine "Herausforderung" für die Berater.

Die Kunden seien derzeit auch nicht bereit, ihr Geld zu veranlagen - laut Prasser im Moment "genau der falsche Weg". Bei Neuveranlagungen sollte aber berücksichtigt werden, dass das Kapital breit gestreut werde und große Summen nicht auf einmal veranlagt würden. Prasser: "Wer sein Geld schrittweise veranlagt, kann auch vom Cost-Average-Effekt profitieren." Der Cost-Average-Effekt entsteht, wenn regelmäßig ein gleichbleibender Betrag in Fonds oder Aktien eingezahlt wird. Werden durch die Volatilität der Wertpapiere Anteile billiger, kauft man um den Betrag mehr Anteile als im Fall steigender Papiere. Steigen die Kurse, können weniger Anteile gekauft werden, dafür steigt aber der Wert jener (Mehr-) Anteile, die man bereits besitzt.

Anlageziele bedenken

"Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Aktieninvestment umso erfolgreicher ist, je länger man investiert bleibt", versucht Dirk Hermann, Chef von Fidelity Österreich, verunsicherte Anleger zu beruhigen. Es gehöre zum Wesen des Aktienmarktes, dass dieser Schwankungen unterliege. Bei all der Verunsicherung, die jetzt herrsche, sollten Anleger nicht ihre langfristigen Anlageziele aus den Augen verlieren. Denn die Zeit sei laut Hermann ein wichtiger Faktor für langfristige Gewinne. Die wichtigste Grundregel sei jedoch, dass die Risikobereitschaft, der Zeithorizont und das Anlageziel bei einem Investment zusammenpassen. Andernfalls könnten Anleger schnell Geld verlieren und den Märkten enttäuscht den Rücken kehren. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.03.2008)

  • Die Talfahrt der Aktienkurse hat in den vergangenen Monaten viele Anleger verunsichert. Wer Ruhe bewahrt und lang genug wartet, könnte dennoch wieder zu den Gewinnern zählen.
    foto: standard/cremer

    Die Talfahrt der Aktienkurse hat in den vergangenen Monaten viele Anleger verunsichert. Wer Ruhe bewahrt und lang genug wartet, könnte dennoch wieder zu den Gewinnern zählen.

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