Deutschland hofft auf Tauwetter im Kreml

14. März 2008, 16:26
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Verhältnis zwischen Berlin und Moskau ist angespannt

Schon bevor Angela Merkel ins Flugzeug nach Moskau stieg, verbuchte man in ihrer Umgebung einen kleinen Triumph: Es ist die deutsche Bundeskanzlerin, die Wladimir Putins Nachfolger Dimitri Medwedew an diesem Samstag als erste westliche Politikerin trifft - nicht etwa der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

Seit Merkel im Herbst 2005 Kanzlerin wurde, ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland merklich abgekühlt. Ex-Kanzler Gerhard Schröder sah in Putin noch einen "lupenreinen" Demokraten, Merkel hingegen traf sich schon bei ihrer ersten Moskau-Reise mit Vertretern der russischen Opposition und machte auch deutlich, dass ihr die Gängelung der russischen Presse missfällt.

Nun jedoch setzt man in Berlin vorsichtig auf neue Impulse für das angespannte bilaterale Verhältnis, und Merkel zeigt mit ihrem raschen Besuch guten Willen. Man müsse Medwedew, der "für eine neue postsowjetische Generation" stehe, eine Chance geben, sagt der Russland-Beauftragte der Regierung, Andreas Schockenhoff (CDU).

Merkel spricht Wahl an

Zwar will sich Merkel zunächst Medwedews Reformvorstellungen in Ruhe anhören. Doch sie wird Medwedew auch noch in einer anderen Frage auf den Zahn fühlen: "Die Bundeskanzlerin wird mit Sicherheit auch die innere Situation nach der Wahl, aber auch den Verlauf der Wahlen erörtern", sagte ihr Sprecher, Ulrich Wilhelm, am Freitag.

Zur Sprache dürften auch der Nahe Osten und der Iran kommen - ebenso der ungelöste Tschetschenien-Konflikt, die unterschiedliche Sichtweise bezüglich des Kosovo-Status und die geplante Gas-Pipeline durch die Ostsee. Zwar importiert Deutschland Erdgas aus Russland, doch man kennt in Berlin natürlich auch die Vorbehalte der Polen, die sich übergangen fühlen. Und Merkel ist froh, dass das deutsch-polnische Verhältnis seit dem Amtsantritt von Donald Tusk entspannter ist. Sie hat ihm versprochen, die polnischen Bedenken ernstzunehmen. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.3.2008)

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