Krimi: Das Dilemma des Unterhändlers

14. März 2008, 13:47
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Ein ehemaliger Cop und traumatisierter Ex-Soldat werkt als Mediator: Peter Temple "Shooting Star"

Frank, ein ehemaliger Cop und traumatisierter Ex-Soldat werkt als Mediator, das heißt, dass er Leute mit schlagenden Argumenten zur Räson bringt, die zum Beispiel ihren Alimentezahlungen nicht nachkommen. Ein ganz anderes Kaliber ist ein Auftrag, den Frank erst gar nicht annehmen will. Pat Carson, ein millionenschwerer Bauunternehmer aus Melbourne, wird erpresst. Die Enkelin seines Sohnes Tom, Ann, fünfzehn, wurde entführt.

Die Entführer warnen vor der Einschaltung der Polizei. Frank ist der Meinung, man müsste das trotzdem tun. Die Carsons jedoch sind bereit, allen Anweisungen der Verbrecher zu folgen. Frank steckt in einem üblen Dilemma. Versucht er ganz allein, den Entführern das Lösegeld zu übergeben und lassen die ihre Geisel trotzdem nicht frei, ist er verantwortlich für den Tod des Mädchens. Es bleibt nicht viel Zeit, und Frank findet schnell heraus, dass der Chauffeur der Familie, der den lebenslustigen Teenager täglich zur Schule gebracht und abgeholt hat, sich erweichen ließ und das Mädchen bei einem Plattenladen abgesetzt hat.

Ab da blieb Ann verschwunden. Frank sucht nach alten Feinden, die sich der rücksichtslose Familienpatriarch gemacht haben könnte, und er merkt bald, dass gemauert wird, wenn er versucht, die Machtstrukturen innerhalb des Clans zu ergründen. Inzwischen betonen die Entführer die Dringlichkeit der Lösegeldabgabe mit der Zusendung abgeschnittener Finger. Aber ist es wirklich Geld, das sie wollen? In Peter Temples krimineller Welt gibt es keinen Weichzeichner, und von Happyends scheint der Star der australischen Krimiszene auch nicht viel zu halten. Stattdessen: witzige, beißende Dialoge und ein wirklich gruseliger, brutaler Showdown. (Ingeborg Sperl, ALBUM/DER STANDARD, 08/09.03.2008)

Peter Temple "Shooting Star". Deutsch: Hans Herzog. € 18,50/288 Seiten. C. Bertelsmann, München 2008.
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    cover: bertelsmann
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