NPOs: Zwischen Geld und Mission

8. März 2008, 20:22
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Führung in Non-Profit-
Organisationen muss sich in besonderer Weise Widersprüchen stellen - Methoden des Profit-Sektors lassen sich nicht eins zu eins übernehmen

Leadership ist eines der großen Schlagworte in den Diskussionen um nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Besonders an den benötigten Persönlichkeitsqualitäten in der Führung wird derzeit viel herumgedoktert. Geht es um gute Leute oder um gute Konzepte? Was bedeuten diese Fragen für den Non-Profit-Sektor? Michael Meyer, NPO-Institutsvorstand an der Wiener Wirtschafts-Uni, hat das inklusive Provokation bereits im Titel zu seinem 6. NPO-Tag am 1. April verpackt: "Rationale Führung in NPOs – ein Aprilscherz?"

Person rückt ins Zentrum

Undifferenzierte Übernahme von Managementkonzepten der Wirtschaft sei jedenfalls oft ineffektiv und bewirke zudem Demotivation der Mitarbeiter, sagt Ruth Simsa, NPO-Professorin an der WU. In den vergangenen Jahren seien im Zuge der Professionalisierung von NPOs Modelle und Methoden im Fokus gestanden. "Das kann auch eine Sackgasse sein." Es bestehe die Gefahr, dass dann Evaluierung statt Führung passiere. Ihre Beobachtung: Nun rückt die Person der Managerin / des Managers ins Zentrum.

Mitarbeitermotivation

"An Instrumente zu delegieren, ist bei NPOs fataler als im Profit-Sektor", postuliert Stefan Wallner, seit neun Jahren Generalsekretär der Caritas Österreich. Die Basis ist für Führungskräfte in NPOs allerdings komfortabler – zumindest was die intrinsische Mitarbeitermotivation betrifft: Dass der sogenannte dritte Sektor, der Non-Profit- und Non-Governmental-Bereich, als berufliches Betätigungsfeld sehr attraktiv ist und eine Menge Menschen auf der Suche nach Sinnstiftung und Verwirklichung anzieht, bestätigt die Forschung wie die Praxis.

Die Messung von Erfolg

Um solcherart zu arbeiten, verzichten Leute auf mehr Einkommen, auf Bonus. Aber auch das schafft ganz eigene Aufgabenstellungen für das Spitzenmanagement. Zusätzlich zu den gegebenen Gegensatzpaaren wie etwa Geld und Mission. Dazu kommen noch Dilemmata im Messen des Erfolgs: Ist es in der Wirtschaft die Effizienz, dann im NPO-Bereich wohl die Effektivität, sagt Wallner. Diese, ergänzt WWF-Geschäftsführerin Hildegard Aichberger, liege aber oft erst in fernerer Zukunft, etwa im Bewusstseinswandel beim Thema Umweltschutz.

"Fast Politikerrolle"

Aber, so Aichberger zu Controlling-Fragen: "Spender sind Stakeholder, wir brauchen maximale Transparenz im Finanziellen, gerade da darf in puncto Glaubwürdigkeit nichts passieren." Eine Menge Handlungsfelder also für Führungskräfte. Sepp Eisenriegler, Gründer der Reparatur-Werkstätten R.U.S.Z. für die Integration Langzeitarbeitsloser, ergänzt: "Man führt ja auch in diesem spezifischen Umfeld von Auftraggeber und Träger des Vereins, da taucht eine Führungskraft fast in die Rolle eines Politikers ein."

Wie zentral die Reflexion über Führungsfragen ist, formulierte Aichberger so: "Wenn der Unterbau nicht passt, dann läuft man schnell – aber wohin?"

"Popanze zerschlagen"

Innerhalb aller Managementmethoden und -moden ist für Aichberger klar: "Managerialism macht 20 Prozent des Erfolges aus, 80 Prozent bestehen aus der Fähigkeit, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten." Natürlich bedürfe es einer Struktur, in der sich die immer wieder zitierte hohe Motivation der NPO-Mitarbeiter entfalten kann, stimmen alle zu. Simsa: "In NPOs macht den Unterschied, wie ein Erfolg erreicht wurde." Mit klassischen Instrumenten messbar, so die Runde, sei er nun einmal nicht immer.

"Sauberkeitssyndrom"

Besonders aufpassen, so Wallner, müsse man in der Mitarbeiterführung beim "moralischen Sauberkeitssyndrom nach dem Motto: Wir sind die Guten". Da liege große Gefahr. Wallner: „Wenn die Leute sagen, der eigentliche Auftraggeber sind die Klienten, dann kann man das positiv nützen, es besteht aber die Gefahr, dass die Mitarbeiter dann nach dem klassischen Helfersyndrom sagen: Was die Organisation will, ist mir wurscht." Für Führungskräfte wohl fast schon eine Krisensituation.

Führungsfehler: Burnout

Simsa schließt beim Helfersyndrom an: Sie beobachtet oft zu wenig Führungsverantwortung im Verhindern von Burnout – gebe es im Mitarbeiterumfeld zwei, drei Burnouts, dann sei das wohl ein klassischer Führungsfehler. In Ermangelung finanzieller Ressourcen werde definitiv zu wenig auf Personalentwicklung geschaut, sagt sie insgesamt. Auch angesichts der Tatsache, dass hierarchisch und monetär meist kaum etwas zu bieten sei.

Was hält die Motivation auf Einstiegsniveau?

Eisenriegler argumentiert mit permanent notwendigem Vertrauensvorschuss und mit dem Gelingen des Verknüpfens verschiedener Anliegen, in seinem Fall etwa arbeitsmarktpolitische Funktion plus Umweltgedanke plus eigene Erfolgserlebnisse.

Wallner: "Jobenrichment ist sicher, dass wir sehr international sind und die Vernetzung der NPOs auch international sehr gut funktioniert." Eisenriegler, der einen europäischen Dachverband mit "social entrepreneurs" aus zehn Ländern (mit zusammen 40.000 Mitarbeitern) ins Leben gerufen hat, stimmt zu. So betreibt er mittlerweile erfolgreiches Lobbying in Brüssel zum Thema Abfallrahmenrichtlinie.

Dieses vielfache Spektrum an Motivatoren sei auch eine Eigenart, sagt Michael Meyer, die es zu erhalten gelte. Ob anderes reformbedürftig wäre, blieb offen in der Runde, soll aber am NPO-Tag am ersten April an der Wirtschaftsuni diskutiert werden.

Warum Headhunter sich nicht wie wild auf Führungsleute in NPOs stürzen?

Eisenriegler glaubt, dass NPO-Leute in Konzernen als "Feigenblattentferner" gefürchtet wären. Meyer: "Oft sieht man auch noch nicht, was sie können". Der Typus des Sozialmanagers inklusive zertifizierten Ausbildungswegen sei aber (aus WU-Schmieden) etabliert da, konstatieren die anderen.

Zwei Trends macht er für Profit- und Non-Profit-Organisationen aus der Forschungsposition aber doch fest: Zum einen, dass Führung rein sachlich wäre. "Der emotionale Aspekt ist ganz wichtig". Zum anderen, dass Geld der Motivationsfaktor sei. Diese "zwei Popanze" sieht der NPO-Professor "zerschlagen". (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.3.2008)

6. NPO-Tag an der WU Wien

am 1. April 2008. Infos unter npo.or.at

Anmeldung: eva.hollerweger@wu-wien.ac.at

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    Effektiv statt effizient. Was unterscheidet Führung in Non-Profit-Organisationen von jener im Profit-Bereich?

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