Staus in Linz laut Experten "hausgemacht"

24. März 2008, 19:05
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Raumplanung fördere Zersiedelung, gleichzeitig Konzentration der Arbeitsplätze in Ballungszentren

Linz – Die Verkehrslage im Linzer Zentralraum sei nicht katastrophal. Auch wenn täglich 90.000 Pendler mit dem Auto in die oberösterreichische Landeshauptstadt stauen, findet Leonhard Höfler diese Beschreibung "nicht angebracht". Höfler ist der Leiter der Abteilung Verkehrskoordinierung des Landes und hat federführend das neue "Generalverkehrskonzept" erstellt.

Von 2001 bis 2030 soll "die Fahrleistung auf Oberösterreichs Straßen um 50 Prozent zunehmen. Um diese prognostizierte Zunahme des Individualverkehrs einzubremsen, müssten zwei Weichen gestellt werden, sagt Höfler: Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Verlagerung des Güterverkehrs auf Schiene oder Wasser. Beides ist bisher in Linz nur mäßig gelungen. Laut VCÖ-Studie fahren lediglich elf Prozent der Oberösterreicher mit Bus oder Bahn zur Arbeit. "Die Öffis sind verbesserungswürdig", gibt auch Höfler zu.

Diese mangelnde Attraktivität sieht auch Andrew Kilpatrick als eine der Ursachen für den hohen Anteil an Individualverkehr. Der Konsulent für Umweltfragen und Mobilitätsbeauftragte der Universität Linz hält rigorose Veränderung im System für notwendig. Die täglichen Staus seien durch die Raumplanung hausgemacht. So wurde in Oberösterreich die "Zersiedlung des Wohnbaus gefördert", bei den Arbeitsplätzen hingegen die Konzentration auf Ballungszentren zugelassen. Um eine weitere Zersiedelung zu verhindern, könnten Landespolitiker beispielsweise "die Wohnbauförderung an die Nähe von öffentlichen Haltestellen koppeln", meint der Experte.

Der Verzicht auf das Auto werde aber ohnehin so lange nicht funktionieren, wie in Oberösterreich noch immer in "überdimensionale Straßenbauprojekte" investiert werde. "Die geplante City-S-Bahn kann niemals mit dem kommenden Linzer Westring konkurrieren", glaubt Kilpatrick. Doch Stadt und Land halten am Ausbau der Straße fest.

Auch Höfler hält den Westring für notwendig. Allerdings werde er nicht die gewünschte Entspannung bringen: "Das Entlastungspotenzial neuer Straßen wird nach einiger Zeit aufgesaugt." Dennoch glaubt er, dass der parallele Ausbau von Straße und öffentlichem Verkehr richtig sei. Die Verlängerung der Straßenbahn auf das Harter Plateau oder die City-S-Bahn seien wichtige Impulse.

Grundsätzlich seien die Pendler nicht allein für die Verkehrsbelastung verantwortlich. Linz sei eine Industriestadt, wenn sich in der Früh Pendler- und Güterverkehr überlappen, werde es eng. "Bei der Verlagerung des Gütertransportes auf Schiene oder Wasser kann das Land aber nicht viel tun", meint Höfler. Hier sei die Bundespolitik gefordert. (Kerstin Scheller, DER STANDARD - Printausgabe, 29. Februar 2008)

  • Linzer Zersiedelung fördert stärkeres Verkehrsaufkommen.
    foto: standard/robert newald

    Linzer Zersiedelung fördert stärkeres Verkehrsaufkommen.

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