Invasive Honigbienen bereichern sich genetisch

1. März 2008, 19:00
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US-Studie: Zugewanderte ersetzen lokale Bienen-Populationen und übernehmen dabei für sie positive Eigenschaften

Wenn Honigbienen aus der Fremde in neue Gebiete vordringen, dann verschaffen sie sich einen genetischen Vorteil, indem sie sich mit den einheimische Artgenossen vermischen. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung zweier Wissenschafter von der Universität von Illinios.

Die Forscher verglichen Exemplare der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) aus Subsahara-Afrika mit Populationen in anderen Weltregionen. Dabei stellte sich heraus, dass eingewanderte Bienen, die ursprünglich vom afrikanischen Kontinent gekommen waren, positive genetische Eigenschaften der lokalen Bienen übernommen hatten, ohne dass sich eigene Charakteristika verändern würden.

Auf der Erde existieren rund zwei Dutzend Unterarten der Spezies Apis mellifera, die sich genetisch und geographisch in vier deutlich unterscheidbare Gruppen in Afrika, Asien, Osteuropa und Nord- bzw. Westeuropa aufteilen. Bisherige Analysen weisen darauf hin, dass diese Bienen ursprünglich in Afrika beheimatet waren und sich in mindestens zwei Wellen über den Rest der Welt verbreiten haben.

1956 brachte der Agraringenieur Warwick Estevam Kerr Afrikanische Honigbienen nach Brasilien um durch Kreuzung mit den dortigen Bienen europäischer Herkunft leistungsfähigere Honigproduzenten zu erhalten. Die Folgen waren katastrophal und wirken bis heute nach. Die Bienen vereinigten sich unkontrolliert mit den lokalen Populationen, was eine "afrikanisierte", aggressivere Form hervor brachte. Die so entstandenen Hybride wanderten stetig Richtung Norden und verdrängten die "friedlicheren" Artgenossen.

Evolution

Um festzustellen, warum diese "afrikanisierten" Bienen so erfolgreich sein konnten, analysierten die beiden US-amerikanischen Entomologen Charles Whitfield und Amro Zayed die Erbsubstanz unterschiedlicher Populationen auf der ganzen Welt. "Wir entdeckten dabei, dass die Bienen afrikanischer Herkunft sich deshalb so gut durchsetzen konnten, weil sie Westliche Honigbienen vorfanden, mit denen sich vermischen konnten."

Nach der Vermischung ersetzen die neuen Populationen die ursprünglichen, wobei sie Charakteristika der verdrängten Unterart übernehmen und sich damit einen bedeutenden Vorteil verschaffen würden, so Whitfield. "Für uns ist dies ein klarer Hinweis auf eine genetische Evolution durch positive Selektion." Die Wissenschafter veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal "Proceedings of the Nationale Academy of Sciences". (red)

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    Bei der Vermischung und schließlich Verdrängung lokaler Bienenvölker verschaffen sich invasive Populationen einen genetischen Vorteil.

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