BayernLB vom Pech verfolgt

17. März 2008, 15:51
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Die Bayern haben bei ihren Auslands­abenteuern nicht viel Glück, Fehl­spekulationen bei Krediten, Steueraffäre, Bawag-Desaster und Rijecka-Spekulationsskandal belasten schwer

Wien - Über milliardenschwere Fehlspekulationen aus dem Engagement bei zweitklassigen US-Immobilienkrediten (Subprime) ist vorige Woche der Vorstandschef der Bayerischen Landebank (BayernLB), Werner Schmidt, gestolpert. Er wird per 1. März durch den Ex-HVB-Banker Michael Kemmer ersetzt. Diese Woche nun kam die BayernLB mit ihrem via Hypo Alpe Adria erworbenen Liechtenstein-Bankableger ins politische Trommelfeuer. Das Fürstentum ist gerade Mittelpunkt eines deutschen Steuerskandals. Die Münchner Großbank zog die Reißleine: Die Tochter Kärntner Hypo muss ihre 49-prozentige Liechtenstein-Bankbeteiligung "unverzüglich" loswerden. Auf den Weg gebracht werden muss das schon im Aufsichtsrat der Kärntner Hypo am 6. März.

In ihren Auslands-Engagements hatte die zur Hälfte dem Staat Bayern gehörende Münchner Landesbank schon in der Vergangenheit nicht eben viel Glück gehabt. Vom Milliarden-Spekulationsdebakel der BAWAG haben die BayernLB-Granden nach eigenen Angaben in der ganzen Zeit, als sie dort zweitgrößte Aktionäre waren, überhaupt nichts mitgekriegt.

BAWAG und die Karibik-Deals

Zu den - über Steueroasen wie Liechtenstein gelaufenen - Karibik-Geschäften, die die österreichische BAWAG beinahe in die Pleite getrieben hätten, klagte der scheidende BayernLB-Chef einmal: "Wir wurden belogen. Von den Verlusten haben wir 2006 aus den Medien erfahren."

Von 1996 bis 2004 war die BayernLB zweitgrößte Aktionärin der BAWAG. 2004 kaufte der ÖGB die Beteiligung zurück. Ende 2006, als das gesamte Spekulationsdesaster der BAWAG auf dem Tisch lag und die Bank mit Garantien vom Bund aufgefangen werden musste, suchte der ÖGB für die BAWAG dringend einen Käufer, diesmal für die ganze Bank. Die BayernLB gaben ein Übernahmeangebot ab, zog aber gegenüber dem US-Fonds Cerberus den Kürzeren. Damit kam kein Comeback in den Aktionärskreis der einstigen Gewerkschaftsbank.

TiSpa-Verkauf an Erste Bank

Zwei in der Bankenbranche heftig diskutierte kurzfristige Beteiligungsabschichtungen im Ausland gab es schon Anfang des Jahrtausends: Zum Jahreswechsel 2001/2002 verkaufte die BayernLB in Österreich ihre langjährige 45,5-prozentige Beteiligung an der Tiroler Sparkasse (TiSpa) an die Erste Bank - dem Vernehmen nach bekam sie viel weniger Geld heraus als sie zum Einstieg investiert hatte.

Im Frühjahr 2002 musste die Münchner Bank den Rückzug aus der nach einem teuren Devisenhandelsbetrug in Schieflage geratenen kroatischen Rijecka banka antreten, die nach kurzzeitiger Re-Verstaatlichung dann ebenfalls an die Wiener Erste Bank ging. Die Bayern bekamen für ihr Rijeck-Investment nur einen symbolischen Euro, der Rest war weg. Die damaligen Ereignisse um die Rijecka wirkten in Kroatien Jahre nach, sodass für den vorjährigen Einstieg der Bayern in der Hypo Alpe Adria Bank sogar bayerische Politiker-Intenventionen bei den Kroaten den Weg ebnen mussten, um die notwendigen lokalen Notenbankgenehmigungen für den großen Deal auf den Weg zu bringen.

Hypo Group Alpe Adria

Als sich die BayernLB im Sommer 2007 überraschend die Mehrheit an der Kärntner Hypo AGroup Alpe Adria sicherte, wurde das als großer Coup gefeiert. Die Münchner Großbank legte für ihren bisher größten Zukauf über 1,6 Mrd. Euro auf den Tisch. Damals war Werner Schmidt BayernLB-Chef und zog in dieser Funktion zum Closing des Kaufs der Aktienmehrheit im Oktober 2007 als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Kärntner Hypo ein.

Als voriges Jahr der damalige bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser im Münchner Landtag die Übernahme der österreichischen Hypo Group Alpe Adria durch die BayernLB verkündete, hob er hervor, mit der Hypo sei man künftig an vielen Standorten präsent, darunter Liechtenstein. Das sei eine "ideale Ergänzung".

Wahlkampfthema Nummer Eins

Völlig anders klingen im jetzigen Bayern-Wahlkampf und mit Blick auf den Skandal um verborgene Gelder reicher deutscher Steuersünder in Stiftungen in Liechtenstein die Worte seines Nachfolgers: In Zeitungsinterviews hat der amtierende Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber vergangene Woche ein schärferes Vorgehen gegen Steuersünder und -oasen gefordert. "Vordringlich ist jetzt, die bekannten Steueroasen trockenzulegen", wurde der bayerische Minister zitiert - dazu müsse der politische Druck auf Liechtenstein, die Schweiz und die Kanalinseln deutlich erhöht werden. Huber ist auch Vizechef des Aufsichtsrates der BayernLB. (APA)

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