Mobilfunker fordern Widerruf von Krebsstudie zu C-Netz

17. März 2008, 15:39
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Am betreffenden Standort zehn Jahre lang keine Sendeanlage - Untersuchung "grob fahrlässig"

Der Salzburger Umweltmediziner Gerd Oberfeld hatte in einer Ende Jänner erschienenen Studie bei Anrainern einer C-Netz-Mobilfunkanlage im Raum Vasoldsberg/Hausmannstätten (Bezirk Graz-Umgebung) ein "signifikant erhöhtes Krebsrisiko" festgestellt. Die Untersuchung im Auftrag des steiermärkischen Gesundheitsressorts bezog sich auf den Zeitraum von 1984 bis 1997. Laut dem Forum Mobilkommunikation (FMK) gab es allerdings an diesem Standort nie eine C-Netz-Anlage und bis zum Jahr 1994 überhaupt keine Mobilfunkanwendung. Die Mobilfunker forderten daher am Montag bei einer Pressekonferenz einen öffentlichen Widerruf der Krebsuntersuchung.

Keine Mobilfunkanlage

Aus den offiziellen Aufzeichnungen in den historischen Daten der Post- und Telegraphiedirektion gehe hervor, dass zwischen 1984 und 1994 in Vasoldsberg/Hausmannstätten keine Mobilfunkanlage aufgestellt war, sagte Heinz Münzer, Infrastrukturleiter Steiermark bei der mobilkom austria. Dies sei überdies durch drei eidesstattliche Erklärungen von Zeitzeugen bestätigt worden. Das öffentlich verbreitete Foto aus dem Bericht von Oberfeld zeige eine D-Netz-Station, die an diesem Standort im Jahr 1994 für ein halbes Jahr als Provisorium installiert war. Danach wurde diese D-Netz-Antenne (D-Netz ist der Nachfolger vom C-Netz, Anm.) auf einem 33 Meter hohen Rohrmasten am selben Grundstück aufgestellt.

"Grob fahrlässig"

Als "grob fahrlässig" bezeichnete Claudia Übellacker, Leiterin des Umweltteams bei der mobilkom austria die Recherchearbeit des Umweltmediziners. Auch Margit Kropik von T-Mobile Austria zeigte sich verärgert über "krankmachende Fahrlässigkeit und die Verunsicherung von Menschen durch Angstmacherei". Aus derzeit laufenden Untersuchungen der Krebsstudie durch öffentliche und universitäre Stellen gehe bereits hervor, dass aus "völlig unzureichenden Fällen eine bis zu 121-fache Risikoerhöhung errechnet wurde", sagte Kropik. Vergleiche mit Fallzahlen des öffentlichen Krebsregisters aus Österreich fehlen völlig. Es erschließe sich daher nicht, auf welche Grundlage sich der Anstieg bezieht. Weiters kritisierte Kropik, dass die Studie auch Krebsfälle vor 1994 beinhaltet, also jenen Zeitraum, in dem kein Mobilfunk am Standort vorhanden war.

OVE/ÖNORM E 8850

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem EU-Rat empfohlenen Grenzewerte für elektromagnetische Felder seien mit der OVE/ÖNORM E 8850 bundesweit verbindlich und werden von den Mobilfunkern bereits seit Jahren eingehalten und im täglichen Betrieb unterschritten, sagte Johann Killian von One. Die politischen Forderungen aus Salzburg seien "unseriös", wie auch die technischen Ausführungen von Oberfeld im Bericht zu UMTS zeigen, meinte Harald Daspelgruber von Hutchison 3G Austria. Entgegen der Behauptungen des Umweltmediziners arbeite das neue Mobilfunksystem UMTS mit weniger Sendeleistung und erlaube dabei höhere Datenraten und damit schnellere Verbindungen. GSM-Handys haben eine maximale Sendeleistung von zwei Watt, UMTS-Mobiltelefone nur 0,25 Watt.

Die Mobilfunkbranche fordert unter anderem eine genaue Überprüfung des Einsatzes von Steuergeldern für Forschungsarbeiten sowie Mobilfunk-Messungen durch in Österreich akkreditierte Mess- und Prüfinstitute, wie Maximilian Maier, Geschäftsführer des FMK ausführte. (APA)

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