Tausende auf dem Heldenplatz: "Putin ist ein Serbe"

14. März 2008, 13:45
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Aktivist: "Was da passiert, ist schlicht Imperialismus"

Wien – „Kosovo ist das Herz Serbiens“, „Wir geben den Kosovo nicht her“, „Putin ist ein Serbe“, skandierten viele Teilnehmer der „Kundgebung für Recht und Gerechtigkeit“ am Sonntag am Wiener Heldenplatz. In einer emotional geladenen Atmosphäre gaben sich die Redner auf der Tribüne betont kämpferisch.

Immer wieder wurde Russland thematisiert. Neben einer Vielzahl serbischer Fahnen waren auch einige Putin-Poster zu sehen. Mehrere Redner zogen Parallelen mit der 78 Tage andauernden Bombardierung Serbiens durch die Nato im Jahr 1999. So wie beim Abwurf „humanitärer Bomben“ vor neun Jahren erlaube sich der Westen wieder, rohe Gewalt am Balkan auszuüben, so der Grundtenor auf der Tribüne.

Gute Integration

Die Organisatoren legten Wert darauf, auf der Tribüne auch Deutsch zu sprechen, um damit dem „Gastgeber Österreich“ Respekt zu zollen und zu zeigen, dass die Serben mehrheitlich gut integriert in Österreich leben.

Im Vorfeld der Kundgebung gab es eine Kontroverse zwischen den einzelnene serbischen Vereinen um den angekündigten Auftritt vom FPÖ-Obmann H.-C. Strache. Dieser erschien zwar nicht persönlich, sicherte den Teilnehmern jedoch in einer schriftlichen Botschaft seine volle Unterstützung und Solidarität zu. Das eingereichte Schreiben der SPÖ hingegen konnte wegen lautstarker Buh-rufe des Publikums nicht verlesen werden.

Handke-Stellungnahme

Eine Stellungnahme des in Paris lebenden österreichischen Schriftstellers Peter Handke wurde ebenfalls auf der Tribüne verlesen. „Die Serben im Kosovo werden zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht“, bedauerte Handke und kritisierte die „Herzlosigkeit Europas“.

Ein österreichischer Aktivist, der sich bereits 1999 im Zuge der Demonstrationen gegen die Nato-Bombardierungen engagiert hatte, Willi Langthaler, fand scharfe Worte für das Vorgehen der EU: „Was da passiert, ist schlicht Imperialismus.“ Kosovo werde nicht wirklich unabhängig, sondern mache sich im Gegenteil zum Sklaven der USA und der EU, so Langthaler. (Mascha Dabic, DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2008)

  • Tausende Serben demonstrierten am Sonntag auf dem Wiener Heldenplatz gegen die Anerkennung des Kosovo. Laut Organisatoren kamen 8000 Menschen, die Polizei spricht von rund 5000 Teilnehmern.
    foto: christian fischer

    Tausende Serben demonstrierten am Sonntag auf dem Wiener Heldenplatz gegen die Anerkennung des Kosovo. Laut Organisatoren kamen 8000 Menschen, die Polizei spricht von rund 5000 Teilnehmern.

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