Wohnen in voller Rüstung

23. Februar 2008, 15:23
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Wer möchte nicht gerne einmal Schlossherr oder Burgfräulein sein? Ent­sprechende Immobilien stehen in Österreich im­mer wieder zum Verkauf

Stimmen Lage und Zustand des Objekts, sind viele Interessenten bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen.

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"Es gab ein einziges Problem, als wir in das Schloss eingezogen sind: Wir hatten keine Möbel. Jedes normale Möbelstück verliert sich in diesen Räumen." Und dabei sei es ohnehin ein kleines Schloss, gibt die Besitzerin zu. Um die 1000 Quadratmeter Nutzfläche gilt als praktikable Größe, wenn von Burgen und Schlössern die Rede ist. 600 bis 700 Quadratmeter dagegen werden oft schon als zu knapp empfunden. Neben Kinder- und Gästezimmern sowie einem Büro braucht man schließlich auch Räume für Bedienstete. Ganz zu schweigen von den alten Gemäuern, die einer effizienten Raumaufteilung oft im Wege stehen.

Rund zweimal pro Woche gehen bei Immobilienmakler Thomas Bonstingl von Wohnen & Wert Immobilien Anfragen bezüglich eines Schlosses ein - zu achtzig Prozent kommen diese aus Österreich. Nach Burgen wird dagegen seltener gefragt. Von zwei bis zu 25 Millionen Euro sind die Interessenten bereit, für ein derart historisches Objekt zu berappen. "Je perfekter es saniert und hergerichtet ist, umso größer ist die Zielgruppe", erklärt Berndt Kretschmer von Stiller-Hohla Immobilien, die sich auf Luxusanwesen, darunter auch Burgen und Schlösser, spezialisiert hat.

Die Lage ist wichtig

Nicht nur der Zustand, auch die Lage spielt bei der Vermarktung eine große Rolle. Nicht alle Schlösser sind auf dem Markt leicht loszuwerden. Wer will schon in eine Einsiedelei ziehen? Eine Entfernung von einer halben Stunde zu einem internationalen Flughafen gilt bei den High-End-Konsumenten als annehmbar. Liegt das Anwesen auch noch in der Nähe von einem Hotspot wie etwa Kitzbühel oder Wörthersee, dann schnellen laut Kretschmer nicht nur die Preise in die Höhe. "Dann schlagen sich die Leute die Köpfe ein."

Anders sieht die Sache aus, wenn das Schloss nicht sofort bezugsfertig ist oder wenn es sich dabei gar um eine Ruine handelt. In diesem Fall muss man nicht nur mit viel Geld, sondern auch mit Herz und Seele dabei sein.

Schloss Grubegg im ober-steirischen Bad Mitterndorf ist so ein Beispiel. Von den Österreichischen Bundesforsten erworben, handelt es sich dabei um einen Pachtvertrag, der auf 99 Jahre begrenzt ist. Da viele dieser Immobilien im Eigentum der öffentlichen Hand sind, ist ein Pachtvertrag laut Kretschmer oft die einzige Möglichkeit, an eine solche heranzukommen.

Umbau mit Charakter

Die beiden Besitzer haben das Objekt liebevoll restauriert und in ein Hotel umgewandelt. "Das Haus ist mehr als 400 Jahre alt und hat meterdicke Wände", erklärt Pächter Martin McDonnell, "da kann man nicht alles so einbauen, wie man es gerne hätte. Doch ich glaube, dass es uns gelungen ist, den alten Charakter des Gebäudes zu erhalten."

Auch das Ehepaar Gschösser ist Schlossbesitzer. Vor 40 Jahren haben die beiden das Schloss Lipperheide bei Brixlegg als Ruine erworben und in mühsamer Detailarbeit wieder hergerichtet. Als die Kinder aus dem Haus gezogen waren, übersiedelte man ins weitaus kleinere Nebengebäude. Die 730 Quadratmeter Wohnfläche und die vier Meter hohen Räume hatten es nämlich in sich: In jedem Kamin war eine Ölheizung untergebracht, bei Frost und Kälte einfach nur einen Elektrostrahler einzuschalten war nicht drin. Heute steht Schloss Lipperheide für 2,85 Millionen Euro zum Verkauf.

Vertraulichkeit vorausgesetzt

Im Zusammenhang mit Luxusimmobilien ist immer wieder zu lesen: "Aus Diskretionsgründen ist es uns an dieser Stelle nicht möglich, alle verfügbaren Liegenschaften anzubieten." Noch diskreter geht man bei Prominenten vor. Bevor ein Interessent ein derart gehütetes Schlossgeheimnis also zu Gesicht bekommt, muss er sich unter Pönale dazu verpflichten, die Informationen vertraulich zu wahren. Dahinter stünden vor allem Sicherheitsgründe, erklärt Kretschmer.

So wollte auch die eingangs zitierte Schlossherrin mit ihrem anfänglichen Möbelproblem nicht namentlich genannt werden. Von ihrem Besitz in Kärnten, das auch für sie zu einer Herzensangelegenheit geworden ist, erzählte sie dennoch mit Freude. Die einstige Ruine wurde teils restauriert und teils mit moderner Architektur ergänzt. Nun stehen im ersten Obergeschoß 500 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, allein das Schlafzimmer nimmt 60 Quadratmeter ein. "Ich habe es mir früher nicht vorstellen können", sagt die Besitzerin, "aber es ist urgemütlich geworden." (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.2.2008)

  • Schloss Lipperheide in Brixlegg, Tirol: Nicht nur die Sanierung ist aufwändig, auch die Erhaltung will wohlüberlegt sein. Und so steht das Schloss zum Verkauf.
    collage: standard

    Schloss Lipperheide in Brixlegg, Tirol: Nicht nur die Sanierung ist aufwändig, auch die Erhaltung will wohlüberlegt sein. Und so steht das Schloss zum Verkauf.

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