Wieder Diskurs um HPV Impfung

22. Februar 2008, 12:19
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Expertenbericht: "Würde man 85 Prozent der zwölf­jährigen Mädchen impfen, gäbe es über 52 Jahre hinweg trotzdem nur zehn Prozent weniger Krebs-Fälle"

Wien/Krems - Beim Symposium "Ist Vorsorgen immer besser als Heilen?" an der Donau-Universität Krems wird unter Experten erneut die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs diskutiert.

Geringe regelmäßige Vorsorge

Wie schlecht die bisherige Früherkennungsstrategie, der sogenannte Abstrich, in Österreich funktioniert, zeigt ein kritischer Bericht den Ingrid Zechmeister vom Ludwig Boltzmann-Institut für Health Technology Assessment, erstellte: "Bezogen auf ein einjähriges Beobachtungsintervall nahmen zwischen dem dritten Quartal 2004 und dem zweiten Quartal 2005 in Österreich (ohne Vorarlberg) im Durchschnitt 27 Prozent am Screening teil." In einem Drei-Jahres-Intervall käme man nur auf 47 Prozent der Frauen.

"Durchimpfung" bringt nur zehn Prozent weniger Krebsfälle

Für die Gesamtbevölkerung der Frauen kommt die Expertin zu folgendem Schluss: Würde man von 2008 bis 2060 85 Prozent der Mädchen mit 100-prozentiger Wirksamkeit und lebenslangem Schutz impfen, gäbe es über 52 Jahre hinweg nur zehn Prozent weniger Gebärmutterhalskrebs-Fälle in Österreich und nur um 13 Prozent weniger Todesfälle.

Ausgangspunkt wäre die Impfung zwölfjähriger Mädchen, da die Immunisierung am effektivsten ist, wenn sie vor den ersten sexuellen Kontakt erfolgt.

Impfung verhindert auch Karzinom-Vorstufen

Das lässt Elmar Joura, Gynäkologe an der Universitäts-Frauenklinik in Wien und Mitentwickler der Vakzine (Impfstoff), nicht gelten: "Wesentlich ist, dass man mit der Impfung auch die Vorstufen des Karzinoms verhindern kann. Hinzu kommt, dass auch Vulva-, Anal-, und Karzinome des HNO-Traktes mit der Impfung vermieden werden können."

In Österreich werden jedes Jahr rund 5.000 Frauen operiert, weil sie an solchen frühen Veränderungen des Gebärmutterhalses erkrankt sind.

Statistik sei "Ansichtssache"

Falsch sei das Argument, dass die Impfung eben in der Bevölkerung nur eine geringe Wirkung habe. Der Fachmann: "Heute erkrankt jede 140. Frau in Österreich an einem Zervixkarzinom. Das ist nicht so selten. Wenn man heute alle Zwölfjährigen impft, bekämen sie andernfalls frühestens nach 30 Jahren die Karzinome. Das bedeutet, dass man noch viele Jahre auch ungeimpfte Frauen in der Statistik hat. Das wird aber mit jedem Jahr besser, wenn man eben den jeweils neuen Jahrgang impft. Sieht man sich aber nur die Geimpften an, sieht das Ergebnis ganz anders aus."

Hohe Kosten für gut organisierte Screenings(Abstriche)

Nicht korrekt sei in der Studie der sogenannte Diskontierungsfaktor - also die Annahme einer Abnahme der Aufwendungen von jährlich fünf Prozent. Dies sei zu hoch gegriffen. Und schließlich müsste man - so Joura - auch die Kosten für ein umfassendes Screeningprogramm (Abstrichuntersuchungen) einrechnen: "Gut organisiertes Screening ist teuer. In Großbritannien mit einer hohen Beteiligung der Frauen gehen 80 Prozent der Aufwendungen in die Verwaltung und nur 20 Prozent in die Medizin." (APA)

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