"John Rambo": Sisyphos auf Testosteron

17. März 2008, 14:31
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Die überflüssigste Rückkehr eines Actionhelden ist zu vermelden: Sylvester Stallone versucht mit "John Rambo" an alte Erfolge anzuschließen. Wenn er nur aufhören könnte!

Wien – Alt ist die Geschichte, alt ist ihr Schema, schon in den antiken Mythen war es oft nicht anders: Da ist einer, der sich zurückzieht, weil er mit Krieg, Gewalt und Totschlag nichts mehr zu tun hat. Aber weil nur einer so gut kämpfen und töten kann wie er, wird er unausweichlich in die alte Pflicht zurückgerufen. Früher gipfelte das meist in Tragödien, heute tritt eher das Gesetz der Serie in Kraft.

Dann muss jemand wie Jack Bauer in der TV-Serie 24 alle paar Jahre jeweils einen Tag und eine Nacht durch rackern und foltern und irgendwie die Welt retten; und irgendwann, wenn ein gewisser Überschmäh sich totgelaufen hat, der Held aber weiterläuft, oft hinter seinen besseren Zeiten her – dann denkt sich der Betrachter: Selber schuld, hätte der Depp doch was anderes gelernt.

Ein besonders tragikomischer Fall in diesem Genre ist der Vietnam-Veteran John Rambo, seit 1982 und einem durchaus akzeptablen Thriller namens First Blood verkörpert von Sylvester Stallone. Oder richtiger: Der fast schon pathologische Fall ist in diesem Fall Stallone selbst, der sich für diese Rolle und für seinen anderen Serienhelden, den Boxer Rocky Balboa, mit Testosteron und anderen Muskelmachern aufgepumpt hat. Und jetzt quält sich der mittlerweile 62-Jährige aufgepumpter denn je durch einen vierten Rambo-Film mit dem sinnigen Titel John Rambo. Es ist ein wirklich harter, mühseliger Job, und das Blöde ist: Man merkt die Mühsal jede Sekunde. Große Aufwallungen von Sinnlosigkeit.

Darf man vom Inhalt was verraten? Nein? Gut, wir deuten hier nur so viel an. Diesmal Birma, wieder Dschungel, wieder will Rambo anfangs nicht, dann muss er aber leider, und dann halt: nahkämpfen, Muskeln zeigen, gewalttätig werden, dass buchstäblich Blut und Beuschel durch die Luft fliegen. Gigantisch doofer Mummenschanz, unfreiwillige Selbstparodie.

Der Produzent Harvey Weinstein meinte kürzlich, es sollte noch ganz viele Rambo-Filme geben. Wir raten hingegen zu einem einzigen, wirklich interessanten Drama, und das hieße: Stallone. Zu erzählen wäre die Geschichte von einem, der leider auch immer nur das tut, was er gelernt hat, und der aber, anders als die wirklich großen Helden, nicht aufhören kann damit. Den muss man nicht lange bitten. Der liefert das einfach selber: überflüssige Selbstentäußerung. Unsinn. (Claus Philipp, DER STANDARD/Printausgabe, 16./17.02.2008)

  • Grimassen aus dem Alltag eines Killers, der angeblich nicht mehr killen wollte. Sylvester Stallone würgt sich durch "John Rambo".
    foto: warner

    Grimassen aus dem Alltag eines Killers, der angeblich nicht mehr killen wollte. Sylvester Stallone würgt sich durch "John Rambo".

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