"An Hahn wird's nicht scheitern"

15. Februar 2008, 09:10
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Gebührenermäßigtes Teilzeitstudium schön und gut, sind sich alle einig. Nur, wer soll es zahlen? SP und Grüne kritiseren Hahns Finanzverweigerung

Wien - Alle wollen das Teilzeitstudium mit niedrigeren Studiengebühren, aber niemand will es zahlen: Das ist der Stand der Dinge, nachdem die beiden Hauptakteure in dieser Frage - zuerst Rektorenchef Christoph Badelt und am Donnerstag Wissenschaftsminister Johannes Hahn (VP) - in Standard-Interviews ihre Position dazu dargelegt haben.

Vor allem Hahns Ansage, die Politik werde kein Teilzeitstudium vorgeben und auch nicht finanzieren, sondern es liege in der Autonomie jeder einzelnen Uni, auf Studiengebühren von berufstätigen Studierenden zu verzichten, erregte Unmut.

Zuallererst beim Koalitionspartner SPÖ. "Unsere Geduld ist langsam enden wollend. Es geht nicht, dass er seine Ideen an- und absagt, wie es ihm grad in den Sinn kommt", sagte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal zum Standard. Noch dazu, wo das Teilzeitstudium eigentlich eine SPÖ-Idee sei, die überdies auch im Regierungsprogramm verankert sei. "An Hahn wird's also nicht scheitern. Wir nehmen nicht zur Kenntnis, dass er jetzt sagt, die Unis könnten das ja eh jederzeit anbieten."

Auf Seite 98 des Regierungsprogramms stehen "Neue Angebote für berufstätige Studierende" (z. B. E-Learning, Teilzeitstudienmodelle).

"Schwarzer-Peter-Spiel"

Für die SPÖ hat das Teilzeitstudium mit niedrigerer Studiengebühr so hohe Priorität, dass "wir kommende Woche in der Regierungskoordination offizielle Parteiengespräche zu diesem Thema verlangen werden", kündigt Broukal an. Im Wintersemester 2008/09 soll es Teilzeitstudien geben. Zentrale SPÖ-Forderung bleibe, "dass der Einnahmenentfall den Unis ersetzt werden muss".

Das werde auch notwendig sein, bekräftigte der Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Badelt, was er schon im Standard-Interview gesagt hatte. Ohne finanziellen Ersatz würde wohl keine der Unis Teilzeitstudien anbieten. "Ich glaube nicht, dass eine Uni sich das zu den skizzierten Bedingungen leisten kann", sagte Badelt. An der WU würden voraussichtlich mehr als die Hälfte der Studierenden auf Teilzeit umsteigen, an den Kunst-Unis sogar mehr. "Jetzt muss die öffentliche Hand entscheiden, ob zusätzliches Geld flüssig gemacht werden kann", die Unis könnten jedenfalls "nicht auf das Geld aus den Studiengebühren verzichten".

Der grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald warf Hahn "Politikverweigerung" im Zusammenhang mit den Problemen bei der Einführung eines gebührenermäßigten Teilzeitstudiums vor. Der Minister solle das "unwürdige Schwarze-Peter-Spiel" um die Finanzierung beenden. Diese Erleichterung für Berufstätige "muss aufgrund der knappen Unibudgets auch politisch budgetiert werden" - das fordert auch die ÖH.

Skeptisch reagierte auch BZÖ-Wissenschaftssprecher Gernot Darmann, er verwies auf die "nicht unerheblichen" Einnahmenausfälle.

Rückenstärkung bekam Hahn von ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek, die seinen Vorschlag für autonome Teilzeitstudien sehr wohl "auf dem Regierungsprogramm basierend" sieht: "Darin ist auch von neuen Angeboten für berufstätige Studierende die Rede", so Brinek. Sie fordert von den Unis "ein über den ganzen Arbeitstag verteiltes Lehrangebot". (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 15. Februar 2008)

  • Financier für Teilzeitstudium gesucht: Wer nicht voll studieren kann, weil er oder sie nebenher arbeiten will oder muss, soll auch nicht die volle Studiengebühr zahlen müssen. Bleibt die Frage: Wer zahlt dann?
    foto: christian fischer

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