Milliardenbelastung für BayernLB

17. März 2008, 15:50
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Zahlungsausfälle und Wertabschreibungen belasteten die Mehrheitseigentümerin der Hypo Alpe-Adria mit insgesamt 1,9 Milliarden Euro

München - Auch die deutsche BayernLB stellt sich wegen der US-Kreditkrise und den Turbulenzen an den Börsen auf Milliarden-Belastungen ein. Deutschlands zweitgrößte Landesbank, die erst im Frühsommer 2007 um 1,6 Mrd. Euro die Mehrheit an der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Bank übernommen hat, muss wegen der Finanzmarktkrise einen Gewinneinbruch auf eine Mrd. Euro hinnehmen - das ist ein Drittel weniger als im Vorjahr. Zahlungsausfälle und Wertabschreibungen belasteten die Landesbank mit insgesamt 1,9 Mrd. Euro, teilte der Vorstand am Mittwoch in München mit.

Aus dem Engagement am US-Hypothekenmarkt würden nach derzeitigem Stand Zahlungsausfälle in Höhe von 150 Mio. Euro erwartet, die im operativen Ergebnis 2007 verarbeitet seien. Darüber hinaus habe die Finanzmarktkrise das operative Ergebnis der Bank im vergangenen Jahr mit rund 450 Mio. Euro belastet, teilte die BayernLB auf Basis vorläufiger Zahlen am Mittwoch mit. Hinzu kämen rechnerische Buchwertminderungen in Höhe von 1,3 Mrd. Euro. Die BayernLB gehe aber davon aus, "dass auch diese Wertpapiere ordnungsgemäß bedient werden und es zu keinen Zahlungsausfällen kommt".

Ähnliche Vorgehensweise wie WestLB

Ihr Engagement im Geschäft mit Krediten bonitätsschwacher Schuldner ("Subprime") hatte die BayernLB schon früher auf 1,9 Mrd. Euro beziffert. Ähnlich wie bei der bei weitem stärker getroffenen WestLB wurden solche Titel in den Portfolien von drei Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz zusammengefasst, sogenannten Conduits. An diesen Daten habe sich nichts geändert, sagte ein BayernLB-Sprecher. Um die Auswirkungen der Kreditkrise zu bewältigen, geht die Bank ähnlich vor wie die WestLB. Die 1,3 Mrd. Euro an rechnerischen Buchwertminderungen würden in die Neubewertungsrücklage genommen, so der Sprecher. Damit verkürzten sie die Bilanz und würden nicht ergebniswirksam.

Aus heutiger Sicht werde die Bank dadurch ein positives operatives Ergebnis von etwa einer Milliarde Euro halten, hieß es: "Es ist vorgesehen, an die Eigentümer eine unveränderte Dividende auszuschütten und die Rücklagen durch Gewinnthesaurierung zu stärken."

"Nicht schön"

Die Bank äußerte sich zuversichtlich, dass sich diese Belastung im Laufe der Zeit verringern werde. Die Kernkapitalquote liege trotz der Probleme bei sieben Prozent und damit deutlich über den Anforderungen, die die Aufsichtsbehörden als Minimum stellen, sagte ein Bank-Sprecher. Zusätzlich zur bereits beschlossenen Finanzspritze für den Kauf der Hypo Alpe-Adria seien keine zusätzlichen Maßnahmen nötig.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) bezeichnet die Milliarden-Belastungen der BayernLB aufgrund der US-Kreditkrise am Mittwoch als "nicht schön". Die BayernLB erwirtschafte überwiegend Gewinne, es gebe jedoch auch "schmerzliche Kehrseiten". Wenn man im internationalen Kapitalmarkt aktiv sei, könne man eben "auch Verluste machen". Er hoffe aber "sehr, dass damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist", sagte Beckstein am Mittwoch vor Journalisten in München.

Weltweit Banken in Mitleidenschaft

Die US-Hypothekenkrise und die Turbulenzen an den Börsen haben weltweit Banken in Mitleidenschaft gezogen, teilweise wie bei der Düsseldorfer IKB sogar an den Rand des Ruins gebracht. Betroffen sind vor allem US-Banken, in Deutschland sind auch Landesbanken wie die SachsenLB und die WestLB besonders stark betroffen. Die Leipziger wurden bereits an Deutschlands größte Landesbank LBBW verkauft, der WestLB droht eine ähnliche Zukunft. Abgesehen von diesen beiden Krisenfällen ist die BayernLB mit einer Gesamtbelastung von 1,9 Mrd. Euro im Landesbankensektor am stärksten betroffen. Bei der LBBW sind es Medienberichten zufolge 1,7 Mrd. Euro.

Ursprünglich sollten die erstmals nach internationaler Rechnungslegung IFRS berechneten Zahlen der BayernLB erst Ende April veröffentlicht werden. Dagegen lief die Opposition in Bayern aber Sturm. Die Landtags-SPD bezichtigte Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) mit Blick auf die Bekanntgabe der Belastungen der Lüge. "Seit Wochen wird das Parlament im Grunde genommen angelogen durch den bayerischen Finanzminister", sagte SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget. Noch am Dienstag habe Huber im Landtag erklärt, er könne keine Zahlen nennen, man wisse nichts Genaues und alles sei reine Spekulation. Auch die Haushaltspolitiker der bayrischen Grünen, Eike Hallitzky, bezeichnet am Mittwoch das Krisenmanagement von Landesbank und Bayerischer Staatsregierung als "verheerende".

Vorwürfe zurück gewiesen

Huber wies den Vorwurf der Lüge am Mittwochabend zurück. Die SPD "sollte zur Kenntnis nehmen, dass der Vorstand angesichts der Spekulationen über das Jahresergebnis - abweichend von der bisherigen Planung - die Veröffentlichung vorläufiger Zahlen für verantwortbar hält und dem Verwaltungsrat heute erstmals diese konkreten vorläufigen Zahlen zum Jahresabschluss vorgelegt hat", sagte Huber laut Mitteilung seines Ministeriums. Am Donnerstag will er im Landtag "ausführlich über die aktuelle Entwicklung bei der BayernLB informieren".

Die BayernLB gehört je zur Hälfte dem Freistaat und den Sparkassen in Bayern. (APA/dpa/AP/Reuters)

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