Nachschub für den Markt: Die Künstlergruppe Scholle

17. Februar 2008, 18:34
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Ihre Parole war das individuelle Prinzip: Jeder bebaue "seine eigene Scholle, die freilich auf keiner Landkarte zu finden ist"

Zur Künstlergruppe Scholle eine neue Publikation, eine Ausstellung und ein Blick auf den Markt.

Schweinfurt – Noch vor der Gründung der expressionistischen Künstlergruppen "Brücke" (1905) und "Blauer Reiter" (1911) schloss sich die Münchner "Scholle" als progressive, ihre Zeit bewegende Vereinigung zusammen und gestaltete die Aufbruchstimmung des nachklingenden Fin de Siècle von 1899 bis 1911 wesentlich mit.

Im nationalen und internationalen Ausstellungsbetrieb nahm die Scholle eine nicht zu übersehende Rolle ein, unter anderem durch ihre Präsenz in der Wiener, Berliner und Münchner Secession. Vor kurzem erschien im Prestel Verlag eine Publikation zu dieser Künstlergruppe, keine Monografie im klassischen Sinn, sondern eine Sammlung von instruktiven Einzeluntersuchungen.

Sie macht – als erste dieser Art – die wechselseitigen Einflussnahmen der Künstler sichtbar. Gleichzeitig steht die kunsthistorische Einordnung der Scholle zwischen Jugendstil-, Plakat- und Monumentalkunst, dekorativem Impressionismus und Fantasiemalerei im Mittelpunkt. Die berücksichtigten Werke (280 Farbabbildungen) stammen zu einem erheblichen Teil aus der Sammlung des Meraners Siegfried Unterberger.

Sowohl Leo Putz, fraglos das berühmteste Gründungsmitglied, als auch Fritz Erler hatten sich in der ersten Hälfte der 90er-Jahre des 19. Jahrhunderts längere Zeit in Paris aufgehalten und an der Académie Julian studiert.

"Weder in ihrem noch im Werk der anderen Scholle-Mitglieder", skizziert der Kunsthistoriker Christian Lenz in seinem Beitrag, haben die drei für das 20. Jahrhundert wichtigsten Künstler van Gogh, Gauguin oder Cézanne sowie die Generation der Impressionisten "maßgebliche Bezüge oder Spuren hinterlassen, von denen man auf eine engere Beziehung wie etwa bei Liebermann und Slevogt schließen könnte".

"Die Kunst der Neoimpressionisten und die Malerei sowie Grafik von Edvard Munch", fasst der ehemalige Direktor des Städelschen Kunstinstituts sowie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zusammen, "haben Leo Putz und die anderen offenbar nicht interessiert." Auf welcher Etappe des geschichtlichen Ablaufs die Werke entstanden, ist dennoch offensichtlich.

Zu den Mitgliedern dieser Künstlergruppe gehörten neben den beiden genannten noch Gustav Bechler, Reinhold Max Eichler, Erich Erler-Samaden, Max Feldbauer, Walter Georgi, Adolf Höfer, Adolf Münzer, Walter Püttner, Franz Wilhelm Voigt und Robert Weise. In eingeschworenen Liebhaberkreisen sind diese Protagonisten längst bekannt, die Publikation und eine aktuell bis zum 1. Juni 2008 im Museum Georg Schäfer (Schweinfurt) laufende Ausstellung werden nun einer Initialzündung für den Kunstmarkt gleichkommen.

Leo Putz gilt längst als Stammgast auf dem internationalen Kunstmarkt. 2006 wechselten in den weltweiten Auktionssälen 18 Arbeiten für etwas mehr als 1,05 Millionen Euro den Besitzer. Ab und an stehen seine Werke auch in Österreich im Angebot, hier allerdings öfter im Kunsthandel als bei Auktionshäusern. Den Auktionsrekord halten – aufgrund von Wechselkursschwankungen sind sich die Kunstpreisdatenbanken hier uneinig – laut "Artprice" Neumeister (München) mit 460.000 Euro netto (312.616 Pfund) für Im Herbstlichen Garten (1908); laut "Artnet" fällt dieser Titel Sotheby’s (London) zu, wo im Juni vergangenen Jahres für Putz’ Hinter den Kulissen der Hammer bei netto 280.000 Pfund (415.744 Euro) fiel. Wenn Putz laut Überlieferungen auch zu den fleißigsten der Scholle-Vertretern zählte, ist das Angebot an seinen Arbeiten nicht derart inflationär wie etwa bei Vertretern der österreichischen Zwischenkriegszeit.

2007 wurden weltweit lediglich 14 Gemälde von Auktionshäusern angeboten – bei Alfons Walde waren es im gleichen Zeitraum 33. Rarität spielt in der Preisindex-Entwicklung von Putz eine Rolle, wie die Kurve in Jahren mit mehr Angebot zeigt. Die Umsatzverteilung nach Ländern ist ein eindeutiges Spiegelbild des Marktes: Deutschland hält einen Anteil von 63 Prozent, gefolgt von Österreich (16 %), der Schweiz (9 %) und Großbritannien (8 %), zu 99 Prozent wird dieser über Gemälde eingespielt wird. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.2.2008)

  • Im Juni 2007 wechselte Leo Putz’ "Hinter den Kulissen" bei Sotheby’s in London für 333.600 Pfund den Besitzer.
    foto: sotheby’s

    Im Juni 2007 wechselte Leo Putz’ "Hinter den Kulissen" bei Sotheby’s in London für 333.600 Pfund den Besitzer.

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