Run auf bilinguale Klassen

29. Februar 2008, 11:35
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Noch weniger Plätze als in Gymnasien am Stadtrand gibt es in Schulen, in denen Englisch und Deutsch Unterrichtssprache sind

Wien - In Sachen Schulnachricht - gemeinhin als Semesterzeugnis bekannt - kommt nicht nur mancher Schüler, der auch andere Noten als Einser und Zweier bekommen hat, enttäuscht nach Hause. Auch Eltern, deren Kinder kommendes Schuljahr ins Gymnasium oder in die Hauptschule weitergehen, machen sich Sorgen.

Vor allem in Wien, wo es an den Wunsch-AHS in den Außenbezirken mehr Anfragen als Plätze gibt, ist die Situation auch aus einem anderen Grund angespannt: Immer mehr Eltern, beobachten Direktoren, wollen für ihre Kinder einen Platz in Gymnasien mit bilingualem Angebot. In Wien gibt es vier AHS und vier Kooperative Mittelschulen, an denen je eine Klasse mit 25 Schülern pro Jahrgang im Rahmen des Schulversuches Vienna Bilingual Schooling (VBS) auf Deutsch und Englisch unterrichtet wird. Da nicht alle Kinder aufgenommen werden können, fühlen sich einige Eltern ungerecht behandelt. Schmerzhaft für jene, die nach Meinung der Eltern und der Kommission geeignet wären. Zahlen über Abweisungen will der Stadtschulrat zwar nicht nennen, doch in Fachkreisen schätzt man, dass sich doppelt so viele bewerben, als aufgenommen werden können.

Orientierungsgespräch

Bevor über die Aufnahme entschieden wird, haben die Schüler ein 40-minütiges Orientierungsgespräch, bei dem Direktoren, Lehrer und Native Speaker prüfen, wie das Kind mit Sprache umgeht. Eine Mutter, die sich an den Standard wandte, kann die Aufnahmekriterien nicht nachvollziehen. Ihr Kind wurde als "nicht geeignet" eingestuft, obwohl es von anderen Pädagogen für überdurchschnittlich begabt befunden wurde. "Die Bedingungen sind nicht korrekt", klagt die Frau. "Die Beurteilung erfolgt nach dem subjektiven Empfinden der Lehrer." Die einzigen Kriterien, die zählten, seien "Snob-Kriterien", empört sie sich. Sie habe beobachtet, dass Kinder von Diplomaten und Politikern eher einen Platz bekommen hätten.

"Das Angebot an öffentlichen Schulen ist mickrig", sagt eine andere Mutter, die sich jetzt schon nach AHS-Plätzen umschaut, obwohl ihr Sohn erst in die zweite Klasse Volksschule geht. Sie spricht von einem "Flaschenhals", da sich nicht nur Schüler aus bilingualen, sondern aus allen Volksschulen bewerben.

Da am Schulversuch von Gesetz her nicht mehr Schulen teilnehmen können, gibt es in Wien zusätzliche Angebote für bilinguale Erziehung, sagt Franz Schimek vom Europabüro des Wiener Stadtschulrates. Der Unterschied: Nicht in allen Unterrichtsfächern wird zweisprachig unterrichtet.

Georg Latzke, Direktor des bilingualen Gymnasiums Krottenbachstraße in Wien 19, schließt "Snob-Kriterien" aus: "Ich habe kein einziges Diplomatenkind in den Klassen." Die Abweisungen seien nicht ideal, sagte er: "Es gibt leider nicht mehr Geld." (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 9.2.2008)

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    Zeugnistag in der vierten Klasse einer Wiener Volksschule. Nach den Semester- ferien beginnen die Einschreibungen für das kommende Schuljahr

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