Breitenecker: "Keine Betriebsräte gekündigt" - Gewerkschaft klagt Puls 4

12. März 2008, 15:46
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Die Causa kommt jetzt vors Arbeitsgericht - Puls 4-Chef Markus Breitenecker im STANDARD-Interview: "Nicht ungesetzlich"

Wien – "Heute Abend bin ich kein Held", verabschiedete sich Puls-Manager Markus Breitenecker Donnerstagabend vorzeitig von einer TV-Diskussion. Wenig später erklärte er – im Wiener Kindertheater Dschungel – seiner Belegschaft, dass sie keinen Betriebsrat hat (der STANDARD berichtete in einem Teil der Freitagausgabe).

Mit wem hat dann Martin Blank, länger Puls-Manager, jahrelang über eine Betriebsvereinbarung verhandelt, fragt der STANDARD Breitenecker: "Naja, das ist vor meiner Zeit." Blank: "Wir haben damals nicht gewusst, dass das keine Betriebsräte sind." Das hätten sie erst entdeckt, als deren Klage einlangte, wonach die Arbeitsbedingungen bei Puls den Kollektivvertrag unterliefen. In dem Verfahren will Breitenecker den Status der Kläger als Betriebsrat verneinen. Klagen wird auch die Journalistengewerkschaft: am kommenden Montag gegen die Kündigung zweier Betriebsräte. Blank und Breitenecker argumentierten, die beiden – Mitarbeiter seit Senderstart – hätten nicht den Anforderungen entsprochen. Dagegen verwahrten sich im Dschungel auch Sendungsverantwortliche.

STANDARD: Haben Sie das Gefühl, dass die Friktionen zwischen Belegschaft und Geschäftsführung nach dem "Station Meeting" mit den Mitarbeitern ausgeräumt sind? Sie haben dort gesagt, Sie hätten noch nie erlebt, dass sich eine Belegschaft gegen die Geschäftsführung erhebt?

Breitenecker: In meinem persönlichen Berufsleben hab ich das noch nicht erlebt. Natürlich habe ich von soetwas gehört. Ich bin seit zehn Jahren Geschäftsführer hier in Österreich...

STANDARD: Wahrscheinlich haben Sie in den zehn Jahren davor noch keine Betriebsräte gekündigt.

Breitenecker: Wir haben auch jetzt keine Betriebsräte gekündigt. In Österreich kann man keine Betriebsräte kündigen, das geht nicht.

STANDARD: Und Sie waren überrascht von den Reaktionen?

Breitenecker: Das war tatsächlich für mich eine völlig neue Erfahrung, das muss man erst einmal durchmachen. Es ist ja nur eine Minderheit, die wir noch nicht überzeugt haben. Die Kommunikation ist sicher nicht optimal verlaufen, da können wir sicher noch etwas besser machen. Das haben wir Donnerstag begonnen.

Wir werden in Zukunft sicher intensiv mit den Sprechern oder Vertretern diskutieren, um auch die zu überzeugen, die wir Donnerstag noch nicht überzeugen konnten, dass wir das Richtige und das Beste für das Unternehmen machen, und vor allem nichts Ungesetzliches. Ich glaube, dass wir, beginnend mit Donnerstag, einen größeren Teil der Leute emotional für das Projekt Puls 4 wieder zurückgewinnen. Aber das geht nicht in einem Abend.

STANDARD: Mir scheint, Puls ist ein Labor für den Eigentümer ProSiebenSat.1, wie billig man Fernsehen machen kann.

Breitenecker: Puls ist kein Labor dafür, und das ist kein Auftrag der Eigentümer.

STANDARD: Es könnte ja auch Ihre Ambition sein.

Breitenecker: Nein, wenn, würde ich das im Auftrag machen. Meine Überlegung ist das schon überhaupt nicht. Auch meine bisherigen Aktivitäten in Österreich zeigen, dass es nicht darum geht, wie man hier Leute möglichst ausbeuten kann. Es stimmt schlicht und einfach nicht, dass Puls deutlich schlechter zahlt als viele Medienunternehmen, vor allem im Radio, aber auch im Printbereich. Im Vergleich zum ORF schon, aber nicht im Vergleich zu Produktionsfirmen des ORF.

Wir haben viele Eigenproduktionen und stellen Leute ein, die bisherigen Mitarbeiter von "Szene" sind gekündigt und arbeitslos. Wir zahlen besser als viele Radios und Verlage. Trotzdem ist es legitim, dass Belegschaftsvertreter und Betriebsrat immer das Beste wollen und versuchen, hier gute Konditionen herauszuholen. Wir sind auch nicht gegen einen Betriebsrat. Wir unterstützen, dass es einen Betriebsrat gibt und arbeiten gerne zusammen. Hat halt nur keinen gegeben.

STANDARD: Aber mit wem haben Sie beziehungsweise hat der weiter amtierende Puls-Geschäftsführer Martin Blank dann verhandelt? Es gab ja Gespräche der Betriebsräte, die Sie nun kündigen wollen, mit der Geschäftsführung über die Arbeitsbedingungen. Die wurden von offenbar gewählten Betriebsräten geführt – von wem sonst Ihrer Meinung nach?

Breitenecker: Naja, das ist vor meiner Zeit. Da müssen wir den Martin Blank fragen, der sehr lange über eine Betriebsvereinbarung verhandelt hat. Da müsste man die genaue Historie mit ihm besprechen.

STANDARD: Sie sind ja sehr ambitioniert, Fernsehen zu machen, was ja das Programmangebot erhöht. Ist Puls ihr Gesellenstück, um im Konzern aufzusteigen?

Breitenecker: Ist es nicht. Wien ist die schönste Stadt zum leben. Und ProSiebenSat.1 der beste Konzern zum arbeiten. Wenn man beides kombinieren kann, ist das ein optimales Ergebnis.

Aber um noch etwas Positives in Sachen Betriebsrat zu sagen: Wir unterstützen die Wiederwahl von Heinz Fiedler zum Betriebsratschef des ORF. Wenn es ihm hilft, stellen wir auch Gratisspots zur Verfügung. Wir sind dafür, dass er wieder Betriebsratschef wird. Das wäre eine Chance für die duale Rundfunkordnung. Die Medienpolitik tut ja sehr wenig dafür. (bam, fid/DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.2.2008; Interview Langfassung)

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    Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker.

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