"Der Krieg des Charlie Wilson": Aus der Badewanne der Macht

18. Februar 2008, 11:53
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Politik und Sinnesfreuden: Mike Nichols' Filmsatire "Der Krieg des Charlie Wilson" mit Tom Hanks und Julia Roberts

Wien – Den Kalten Krieg konnte man noch vom Whirlpool aus gewinnen. Das ist die Quintessenz von "Der Krieg des Charlie Wilson" ("Charlie Wilson's War"), der neuen Politsatire von Mike Nichols. Im Whirlpool nämlich sitzt der texanische Kongressabgeordnetete Wilson zu Beginn, in der Hand ein Glas Whisky, als er übers Fernsehen das erste Mal vom Waffenmangel der afghanischen Mudschaheddin im Kampf gegen sowjetische Gruppen erfährt.

Als Mann, der nicht nur etwas für Sinnesfreuden, sondern auch für die gerechte Sache übrig hat, beschließt er, in die Weltpolitik einzugreifen. US-Star Tom Hanks verkörpert dieses politische Relikt der 80er-Jahre mit breitem Gang und Akzent. In seinem Büro spannt sich ein Kuhfell über den Tisch, die Sekretärinnen hat er nach Maßgabe ihrer Körper ausgewählt. Es hat ihn wirklich gegeben, diesen Charlie Wilson, einen Demokrat, der mehrmals wiedergewählt wurde – und der seinen Wagen noch betrunken mit Füßen lenken konnte.

Eine solche Figur ist für eine Komödie, die sich mit den Hinterzimmern der Macht beschäftigt, natürlich ein gefundenes Fressen. Gemeinsam mit Drehbuchautor Aaron Sorkin, der schon die einflussreiche TV-Serie "The West Wing" über den Alltag eines US-Präsidenten erfunden hat, betont Nichols die exzessiven Seiten eines solchen Charakters. Politik wird hier bevorzugt in intimen Situationen gemacht. Das ist die ersten paar Szenen lang komisch, weil es dem gegenwärtigen Image eines Politikers so widerspricht. Es nützt sich dann aber auch schnell mal ab.

Nichols inszeniert routiniert, er vertraut auf seine Darstellerriege und exekutiert den Dialogwitz in Screwballmanier. Julia Roberts ist die ultrakonservative Kommunistenjägerin, die Wilson mit ein paar Streicheleinheiten auf die richtige Fährte schickt, wunderbar polternd spielt Philip Seymour Hoffman den frustrierten CIA-Haudegen, der den geeigneten Plan für die Aufrüstung des afghanischen Widerstands schmiedet.

Problematisch wird "Der Krieg des Charlie Wilson", wo er die Effekte dieses politischen Handelns behandelt, ihm also die Weltpolitik ins Visier gerät. Da wird dem Film sein komischer Blick auf das Trio und seine Geschichte plötzlich zu heiß – und man merkt ihm an, wie ihm auf halber Strecke der Mut ausgeht, wie er seine Figuren (und deren Politik) zu rehabilitieren versucht.

Wilson, der ein wenig naive Mann der Tat, muss nie wirklich fürchten, ganz dem Humor ausgeliefert zu sein; dafür bürgt schon Tom Hanks mit weinerlicher Miene. Seine menschlichen Schwächen sind das eine. Im Grunde seines Herzens bleibt er jedoch ein Amerikaner, der nach handfesten Überzeugungen agiert und sich von echtem Flüchtlingsleid noch bekehren lässt. Ob nun im Whirlpool oder sonst wo. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2008)

  • Ein Mann mit Durst und Überzeugungen: Tom Hanks als Charlie Wilson.
    foto: universal

    Ein Mann mit Durst und Überzeugungen: Tom Hanks als Charlie Wilson.

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