ORF verzichtet auf Häuptling

12. März 2008, 16:20
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Aber vorerst nur auf einen Apachen bei der Programmklausur: Bessere Verträge für hohe Funktionäre kolportiert - Events wie "Villacher Fasching" fehlen Zuschauer

Aber vorerst nur auf einen Apachen bei der Programmklausur: Die Gebühren sind beschlossen, nun werden bessere Verträge für hohe Funktionäre kolportiert. Quoten-Events wie „Villacher Fasching“ fehlen Zuschauer.

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Eine Zahl spielt auf dem Küniglberg eine besondere Rolle: 200.000, ein paar auf oder ab. Nicht ums neue Gehalt des ORF-Chefredakteurs geht es, sondern um Zuschauer, die fehlen. Dienstagabend bestätigte der "Villacher Fasching" den Trend: 1,539.000 Menschen verfolgten ihn 2007, heuer 1,366.000. (Grafik gerundet) Ähnlich der Verlust beim "Opernball", auch ein traditioneller Quotenriese: 1,793 Millionen im Vorjahr, 1,528.

Der ORF führt Verluste vor allem auf Digital-TV zurück. Nach dem Wechsel haben ähnlich viele Empfangsprobleme. Auf dem Küniglberg weiß man aber auch von Empfangsverweigerung – wegen Digitalisierung, aber wohl auch wegen der missglückten Programmreform 2007.

Klausur

Der ORF-Verweigerung entgegenzuwirken, trafen sich Programmmacher und Führung der Anstalt Dienstag und Mittwoch zur Klausur. Ein nicht ganz neuer Versuch gegen Publikumsschwund startet morgen, Freitag, mit Staffel 4 von "Dancing Stars". Im Hauptabend kommt freitags in wenigen Wochen "Einer gegen 100", das der ORF mit RTL produziert. Den Vorabend sollen Quizshows aufpeppen, im Test sind Partner-, Musik- und Filmvarianten.

Ein Gutteil der 41 zusätzlichen Gebührenmillionen pro Jahr ab Juni sollen ins Programm fließen, hieß es. Andernorts werde gespart – etwa an Häuptlingen, also Führungskräften, im ORF. Nicht gleich und nicht an allen.

"Propaganda"

"Propaganda": So reagiert ORF-General Alexander Wrabetz auf STANDARD-Infos, wonach Chefredakteur Walter Seledec nun deutlich höher dotiert wurde. Bessere Gage forderte die FPÖ für ihren Parteigänger, die 2006 für Wrabetz stimmte, nun aber strikt gegen höhere Gebühren. Seledec verwaltet Korrespondentenbüros. Der 63-Jährige war längst zur Pensionierung vorgesehen, Wrabetz nahm sie zurück. Der ORF-Chef dementiert, Seledec sei auf einen Rang unter dem Direktorengehalt gestiegen: "Nichts in dieser Größenordnung." Kein Dementi einer Aufbesserung.

ORF-Infodirektor Oberhauser soll nun seinen Pensionsvertrag erhalten (Zulagen eingerechnet, wie von einem Exgeneral versprochen, aber lange vom ORF bestritten). Wrabetz: "Davon weiß ich nichts."

Dafür hat er bei der Klausur auf einen Häuptling extra verzichtet. Die Krainer-Hütte im Helenental bietet Tagungsgästen "den Apachen 'Reuben Silverbird'" für so genannte "Sweatlodge-Zeremonien". Ins Schwitzen kommt die ORF-Führung so schon genug. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 7.2.2008)

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    grafik: der standard
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