"Eigentlich wäre ein Sieg schlecht"

6. Februar 2008, 22:31
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Hickersberger vor Test gegen Deutschland im Zwiespalt, er warnt vor Scharfschützen und Kopfball-Spezialisten - Garics fraglich

Wien - Österreichs Fußball-Teamchef Josef Hickersberger befindet sich vor dem Testspiel am Mittwoch (20.35 Uhr) im Wiener Happel-Stadion gegen Deutschland offenbar im Zwiespalt. Zum einen hofft der 59-Jährige im ersten Ländermatch des Jahres auf eine Sensation gegen den dreifachen Welt- und Europameister, um im Hinblick auf die Heim-EM eine Euphorie zu entfachen, zum anderen könnte ein voller Erfolg laut "Hicke" auch kontraproduktiv sein.

Zwar betonte der Coach auf der Pressekonferenz am Tag vor der Partie, dass "wir mit dem absoluten Willen in das Spiel gehen, zu gewinnen". Kurz darauf jedoch meinte Hickersberger mit Blick auf die österreichische Mentalität: "Auch wenn ein gutes Resultat für die Stimmung im Land unglaublich wichtig wäre: Eigentlich wäre ein Sieg unglaublich schlecht, denn die Österreicher würden uns dann sofort zum Kreis der erweiteren Titelfavoriten bei der EURO rechnen."

Keine deutsche B-Mannschaft

Noch einen weiteren Seitenhieb auf die österreichische Seele konnte sich der Teamchef nicht verkneifen. "Es besteht in Österreich die Gefahr, dass in Österreich gesehen wird, wer bei den Deutschen fehlt, und dass dann einige glauben, Deutschland kommt mit der B-Mannschaft und wir sind Favorit", erklärte er im Hinblick auf die verletzten Christoph Metzelder und Torsten Frings sowie den unsicheren Einsatz von Michael Ballack.

An der Ausgangsposition ändere auch der eine oder andere Ausfall aufseiten der DFB-Auswahl nichts. "Die Deutschen sind nicht nur zweikampfstark und eine starke Turniermannschaft, sie spielen auch einen modernen Fußball, haben im Mittelfeld einige Scharfschützen und verfügen bei Standard-Situationen über ausgezeichnete Kopfball-Spezialisten", sagte Hickersberger.

In Erwartung deutscher Offensive

Der frühere Rapid-Meistermacher rechnet mit einer sehr offensiv eingestellten DFB-Elf. "Ich wäre nicht überrascht, wenn Klose und Kuranyi stürmen und Podolski links im Mittelfeld beginnt. Außerdem haben die Deutschen mit Ballack einen der torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Welt in ihren Reihen", meinte Hickersberger, der nach eigenen Angaben auf alle Winkelzüge von DFB-Teamchef Joachim Löw ("Er wird dafür sorgen, dass uns die Deutschen nicht unterschätzen") vorbereitet ist. "Aus taktischer Hinsicht sind wir auf jede Variante der Deutschen vorbereitet." Allerdings sei es gut möglich, dass beide Teamchefs im Hinblick auf das EM-Duell am 16. Juni ihre Karten noch nicht ganz aufdecken werden.

Der ÖFB-Coach zeigte seinen Kickern diverse Ausschnitte von Länderspielen der Deutschen. "Wir haben dabei überragende Szenen gesehen, aber auch Ausschnitte von der Heimniederlage gegen Tschechien, wo sie nicht sehr gut ausgesehen haben." Hickersberger erwartet die DFB-Truppe mit einer Viererkette, "die sehr hoch verteidigt, um Druck auszuüben. Meine Spieler müssen wissen, dass sie früh attackiert werden. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Räume hinter der Viererkette, die wir vielleicht ausnützen können."

Ertl nachnominiert

Nicht nur die deutsche, auch die eigene Viererkette bereitet Hickersberger noch Kopfzerbrechen. Napoli-Legionär György Garics, der für die Position als rechter Außenverteidiger vorgesehen ist, musste das Montag-Training wegen Bauchmuskelproblemen abbrechen, sein Einsatz ist noch offen. Daher wurde Johannes Ertl von Austria Wien nachnominiert. Er soll Garics im Fall der Fälle ersetzen. (APA/red)

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    Hickersberger glaubt tatsächlich, manch Österreicher könnte das ÖFB-Team als Favorit sehen.

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