Kritik von Kleinaktionären an Einstieg Al Jabers

12. März 2008, 13:37
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Staller will neun Euro plus Prämie, Rasinger fordert 7,10 Euro und ÖIAG-Chef Michaelis will strategische Interessen gewahrt sehen

Wien - Von Kleinaktionären gibt es Kritik am Einstieg des österreichisch-saudischen Geschäftsmannes Mohamed Bin Issa Al Jaber bei der AUA. Aktionär Rupert-Heinrich Staller verwies im Gespräch mit dem "Wirtschaftsblatt" (Dienstag-Ausgabe) darauf, dass ein Kaufpreis unter dem Buchwert des Eigenkapitals automatisch eine Verwässerung für Aktionäre bedeute, die von der Kapitalerhöhung ausgeschlossen werden. Staller würde "natürlich" bei einer Kapitalerhöhung mitziehen wollen.

Sollten die AUA-Aktien "verschenkt" werden, dann "habe ich als Aktionär die Pflicht, das anzufechten", sagte Staller am Dienstag im Gespräch mit der APA. Al Jaber will 150 Mio. Euro investieren, was etwa einem Drittel des aktuellen Börsenwertes entspricht. Die AUA-Aktie lag am Dienstagmittag nach einem Rückgang um gut 2 Prozent bei 5,76 Euro. Staller geht hingegen davon aus, dass der Buchwert der AUA-Aktie über neun Euro liegt, je nach Jahresergebnis. Für ein so großes Aktienpaket müsse ein Investor zusätzlich eine Prämie auf den Buchwert zahlen.

"Überwältigend gute Gründe"

Außerdem müsse es "überwältigend gute Gründe" geben, um Aktionäre vom Bezugsrecht für neue Aktien auszuschließen, wie es die AUA überlegt, sagte Staller, der für die Begehrlichkeit Al Jabers Verständnis hat. Allerdings bezweifelt Staller, dass sich die AUA damit Respekt erwirbt: "In der arabischen Welt werden jene missachtet, die sich über den Tisch ziehen lassen".

Noch im November 2006 habe AUA-Chef Alfred Ötsch deutlich darauf hingewiesen, dass die AUA keinen Kapitalbedarf habe. Sollte es diesen jetzt doch geben, dann "müsste ich die Schlussfolgerung ziehen, dass Ötsch uns im November 2006 Märchen aus 1001 Nacht erzählt hat und ihn herzlich um seinen Rücktritt ersuchen", sagte Staller. Sollte es um eine Privatisierung der AUA gehen, dann "sollte man in den Raum stellen, ob man die AUA nicht ganz privatisiert".

Etwas moderater ist Anlegerschützer Wilhelm Rasinger, der laut "Wirtschaftsblatt" einen Mindestpreis von 7,10 Euro wie bei der jüngsten Kapitalerhöhung im November 2006 fordert. Zurückhaltend zum Deal äußerte sich ÖIAG-Chef Peter Michaelis in der Tageszeitung "Österreich" (Dienstag-Ausgabe), wo er mit den Worten "Für mich kommt es darauf an, das die strategischen Interessen der AUA gewahrt bleiben" zitiert wird. Das sei aus Sicht der ÖIAG auch der Fall, nachdem sich Al Jaber zu deren Expansionsplänen bekannt habe. (APA)

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