Warnung vor Heringsschmaus aus Aquakulturen

5. Februar 2008, 14:07
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Greenpeace stellt Studie über umweltschädliche Fischfarm-Industrie vor - Produkte sind zudem voller Konservierungsstoffe

Wien - Für den umweltfreundlichen Genuss des traditionellen Heringsschmauses empfiehlt Greenpeace Produkte, die wirklich aus Hering bestehen und keine Konservierungsstoffe enthalten. Denn laut der Umweltorganisation enthalten Heringschmäuse oft Lachs, Shrimps oder Tunfisch aus umweltschädlichen Aquakulturen.

Die aktuelle Greenpeace-Studie "Challenging the Aquaculture Industry on Sustainability" zeigt die Probleme der gegenwärtigen Fischzucht auf: Zerstörung der Küstenökosysteme, Menschrechtsverletzungen, Einführen fremder Arten sowie die Entnahme von Larven aus Wildbeständen. Zudem stellen die auf Fischfarmen eingesetzten Antibiotika sowie die Tonnen an Futterresten und Fäkalien eine massive Belastung für die Meere dar.

Menschenrechtsverletzungen

"Der Versuch, Meeresfisch oder Garnelen in Gefangenschaft zu mästen ist in den seltensten Fällen eine ökologische Alternative", beschreibt Greenpeace- Meeresexpertin Antje Helms die Lage. "Mit dem massiven Ausbau der Aquakultur von Garnelen, Lachs, Tunfisch oder Buntbarschen sind oft nicht nur gravierende Umweltschäden, sondern auch Menschenrechtsverletzungen verbunden".

In der Studie werden zu letzterem Punkt etwa die Einflüsse von überhand nehmenden Garnelen-Farmen in einigen Dritte-Welt-Ländern angeführt. Demnach würde der dortige Ausbau von Garnelen-Farmen einige wenige Investoren zu finanziellem Reichtum verhelfen, die lokale Bevölkerung dagegen hätte unter den Folgen insbesondere durch Kinderarbeit, Schrumpfen von Ackerflächen und Wegfallen bisheriger Nahrungsressourcen massiv zu leiden.

Schnell wachsender Lebensmittelsektor

Während die wildlebenden Fischbestände rapide abnehmen, gehört die Produktion von Fisch, Krebstieren und Muscheln in Aquakulturen weltweit zu den am schnellsten wachsenden Lebensmittelsektoren. So geht die Welternährungsorganisation FAO davon aus, dass bereits jetzt 43 Prozent aller konsumierten Fische und Meeresprodukte aus Zucht oder Mast stammen.

Pro Kilo aus Aquakultur bis zu 5 Kilo Futter nötig

Zu den in der Greenpeace-Studie massiv kritisierten Umweltfolgen betrifft insbesondere das massive Abfischen von Futterfischen, die als Fischmehl und Fischöl an die in Aquakultur gehaltenen Tiere verfüttert werden. Für jedes in Aquakultur produzierte Kilogramm Lachs oder Garnele werden 2,5 bis 5 Kilogramm wild lebender Fische als Nahrung benötigt, bei Tunfisch sogar 20 Kilogramm.
Da die Käfige oftmals mit Jungtieren aus Wildbeständen bestückt werden, wächst der Druck auf die ohnehin schon geschädigten, frei lebenden Fischbestände. Einige natürliche Garnelen-Bestände sind als Folge der Entnahme von Larven für die Shrimpszucht bereits zusammengebrochen.

Besonders verheerend trifft es den im Mittelmeer vor dem Aussterben stehenden Roten Tunfisch: Da seine Zucht in Gefangenschaft noch nicht gelingt, werden junge Tunfische oft illegal gefangen und dann gemästet.

Nach wie vor Konservierungsmittel in Verwendung

Zudem enthalten Heringsprodukte heimischer Marken zum Großteil die Konservierungsstoffe Kaliumsorbat (E 202) und Natriumbenzoat (E 211). Von 22 aktuell untersuchten Heringsschmaus-Produkten war nur eines frei von jeglichen Konservierungsstoffen (Elfin Bismarckheringe). Ein Produkt ("Ozean Pikantröllchen mild") enthielt sogar den als gesundheitsschädlich kritisierten Geschmacksverstärker Natriumglutamat (E621). "Wir haben bereits vor drei Jahren Konservierungsstoffe in Heringsprodukten unter die Lupe genommen, seitdem hat sich die Situation in Österreich kaum verbessert. Es ist jedoch durchaus möglich, auf Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker zu verzichten: Im benachbarten Deutschland etwa kommen Heringshappen ohne Konservierungsstoffe in die Kühlregale", so Helms abschließend. (red)

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    Während die wildlebenden Fischbestände rapide abnehmen, gehört die Produktion von Fisch, Krebstieren und Muscheln in Aquakulturen weltweit zu den am schnellsten wachsenden Lebensmittelsektoren.

  • Greenpeace-Studie "Challenging the Aquaculture Industry on Sustainability"

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