Webkrieg um Scientology erreicht die Realität

17. April 2008, 10:17
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Auf YouTube trifft "Anonymous" auf Tom Cruise - Hackerangriffe bringen nun reale Demonstrationen

In den letzten Wochen hat die Diskussion rund um die amerikanische Church of Scientology einen neuen Höhepunkt erreicht. Zahlreiche Hackerattacken auf beiden Seiten versuchten Politik für ihre Sache zu machen. Nun treffen auf YouTube Videos der beiden Lager auf einander und auch in der Realität wird es nun eine heftigere Konfrontation.

Anonymous vs Tom Cruise

Auf der Videoplattform treffen Scientologen und Kritker auf einander. Zunächst tauchte ein Video auf, das ein Interview mit dem Schauspieler Tom Cruise zeigt. "Leute, das ist unsere Zeit", ruft er darin frenetisch seinen Anhängern zu, "eine Zeit, an die wir uns alle erinnern werden."

Nicht nur wegen Aussagen wie dieser ist die in den USA den Rang einer Kirche genießende Glaubensgemeinschaft in Deutschland sehr umstritten. Weltbild und Lehre seien fanatisch und gefährlich, lautet das Urteil vieler Kritiker. Um das angeschlagene Image der Religionsgemeinschaft in Deutschland wieder aufzupolieren, haben die Deutschen Scientology Kirchen eine groß angelegte Informationskampagne gestartet. So sollen bundesweit rund eine halbe Millonen Flugblätter verteilt werden. Zeitgleich zum Start der Kampagne wurde mit www.scientology-religion.de auch eine eigene Internetseite lanciert.

Nun haben die Kritiker mittels Videobotschaft geantwortet, siehe "Code of Conduct"-Video von Anonymous. Die Hackergruppe "Anonymous" versuchte in der vergangenen Woche die US-Homepage von Scientology durch gezielte Angriffe zum Absturz zu bringen. Im Netz wurde zu diesem Zweck zudem das Projekt "Chanology" gestartet, in dem die Gruppe zu einem weltweiten Hackerangriff auf die Religionsgemeinschaft aufruft. Langfristige Ziele sind die Rettung der Menschen vor Scientology und die Zerstörung der Organisation. Zudem sollen weltweite Demonstrationen gegen Scientology stattfinden - auch hier wurde eine eigene Webseite eingerichtet.

Negative Medien

"Das Image von Scientology ist in Deutschland durch eine negative Medienberichterstattung geprägt", meint Sabine Weber, Vorstandssprecherin von Scientology Deutschland, im Gespräch mit pressetext. Das Bild der Öffentlichkeit entspreche nicht den Tatsachen. "Die meisten Menschen wissen gar nicht, was Scientology ist", stellt Weber fest. "Durch die gestartete Informationskampagne wollen wir dieses einseitige Bild wieder zurechtrücken", erklärt die Scientology-Sprecherin. Den in Zusammenhang mit dem Tom-Cruise-Interview entstandenen Vorwurf des Fanatismus weist Weber zurück: "Im Gegenteil, wir treten für eine freie Gesellschaft ein, in der für jeden Menschen Entscheidungs- und Meinungsfreiheit gilt", betont sie. Keine Religionsgemeinschaft sei so in punkto Menschenrechte engagiert wie Scientology. "Gegenteilige Behauptungen wollen nur den Hass schüren", so Weber.

Einschüchterungen

Diese Behauptungen kann Thomas Gandow, Experte für Sekten- und Weltanschauungsfragen, gegenüber pressetext allerdings nicht bestätigen. "Wenn dem so ist, warum werden Aussteiger aus Scientology dann von der Gemeinschaft nachträglich eingeschüchtert und bedroht", fragt Gandow. Er selbst habe mit vielen Betroffenen zu tun gehabt, denen es so erging. "Leute, die zuvor Mitglieder waren, trauen sich nicht, sich öffentlich von Scientology zu distanzieren", schildert der Sektenexperte. Dies sei kein Einzelfall, sondern die Regel. "Bei Scientology duldet man keine Kritik", ergänzt Gandow. Auch das aufgetauchte Tom-Cruise-Video bestätige diese Auffassung. "Das Interview macht auf Außenstehende zwar einen wirren Eindruck, aber die Botschaft ist klar: Entweder man ist mit der Gemeinschaft oder gegen sie", analysiert Gandow.

Weltweit vertreten

Die Scientology Kirche ist in Portugal, Spanien und Südafrika 2007 offiziell als Religion anerkannt und eingetragen worden. "Scientology ist in 163 Ländern der Welt vertreten, aber nicht in allen offiziell als Religion anerkannt", schildert Weber. Etwa 30.000 Mitglieder hat die Gemeinschaft Schätzungen zufolge in Deutschland. (red/pte)

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