Zehntausende Türken protestieren gegen Aufhebung des Kopftuchverbots

14. März 2008, 17:10
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"Die Türkei ist nicht der Iran" - Verfassungsänderung Dienstag vor dem Parlament

Ankara - Zehntausende Türken haben am Samstag in Ankara gegen Pläne der Regierung protestiert, das Kopftuchverbot zumindest an den Hochschulen des Landes abzuschaffen. Unter den Demonstranten, die Schilder mit Aufschriften wie "Die Türkei ist nicht der Iran" trugen, waren auch zahlreiche Frauengruppen. Das Verbot des islamischen Kopftuchs (türban) gilt für die laizistische Opposition als ein Symbol für die von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk verfügte Trennung von Staat und Religion in der Türkei.

Die islamisch-konservative türkische Regierungspartei AKP hatte am vergangenen Dienstag eine Vorlage zur Abschaffung des Kopftuchverbots im Parlament eingebracht. Über die dafür erforderlichen Verfassungsänderungen soll im Laufe der Woche abgestimmt werden. Eine parlamentarische Mehrheit gilt als sicher, weil die AKP in dieser Frage von der nationalistischen Oppositionspartei MHP unterstützt wird. Beide Parteien verfügen im Parlament von Ankara über 410 von 550 Mandaten. Die Laizisten sprechen spricht von einem "Umfaller" der MHP, die sich sonst als eher modern gibt.

"Türban"-Verbot

Die Aufhebung des Kopftuchverbotes gehört zu den politischen Versprechen der seit mehr als fünf Jahren regierenden AKP. Führende Politiker der Partei argumentieren, dass das Tragen des "türban", des streng islamisch gebundenen Kopftuchs, zu den Grundrechten gehöre. Kritiker warnen, bei einem Ende des Verbotes werde der Druck auf alle Frauen steigen, das Kopftuch anzulegen. Die Anzahl türkischer "Türban"-Trägerinnen im In- und Ausland hat sich ohnedies stark erhöht, seit die AKP an der Macht ist. Die Kritiker warnen auch davor, dass die Zulassung islamischer Kopftücher an den Universitäten nur ein erster Schritt sei, um das bestehende "Türban"-Verbot im öffentlichen Leben der Türkei völlig zu kippen. (APA/dpa)

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